KI-AkademieWissensbasis

Aus Modul 6 · ca. 4 Min.

VERTIEFUNGS-LERNTEXT UE 61 — Bildgenerierung: Praxis und Entscheidungslogik

Zur Modul-Seite

Prompt-to-Production: Der vollständige erste Durchlauf

Wer zum ersten Mal ein KI-Bildgenerierungs-Tool öffnet, steht vor einer leeren Eingabemaske — und oft auch vor einer leeren Gedanken-Leinwand. Dieser Abschnitt beschreibt den vollständigen gedanklichen Weg von einer vagen Idee bis zum verwendbaren Bild, Schritt für Schritt.

Schritt 1 — Was brauche ich wirklich? Bevor ein einziges Wort in die Eingabemaske tippt wird, lohnt es sich, drei Fragen schriftlich zu beantworten: Erstens, für welchen konkreten Zweck brauche ich dieses Bild? Zweitens, wer wird es sehen und in welchem Kontext? Drittens, welches Gefühl oder welche Information soll das Bild vermitteln? Diese drei Fragen strukturieren den Prompt, bevor er entsteht.

Schritt 2 — Werkzeug wählen Auf Basis der Antworten wird das Werkzeug gewählt. Wenn die Antwort auf Frage 1 lautet „für einen internen Vortrag, der morgen gehalten wird”, und der Kontext ist vertraut und wenig formell, dann ist DALL·E 3 die richtige Wahl — schnell, integriert, keine Lernkurve. Wenn es dagegen um das neue Website-Titelbild eines beratenden Unternehmens geht, das in drei Wochen live gehen soll, ist die Frage nach Nutzungsrechten und Bildqualität entscheidender — und Midjourney Standard oder Adobe Firefly wären zu prüfen.

Schritt 3 — Erste Prompt-Formulierung Ein erster Prompt muss nicht perfekt sein. Er dient der Erkundung: Was interpretiert das Modell? Ein bewusst einfacher erster Prompt zeigt, wo das Modell von Erwartungen abweicht. Anschließend wird präzisiert.

Schritt 4 — Iterationsrunde Auf Basis des ersten Ergebnisses wird der Prompt um fehlende Elemente erweitert, fehlerhafte Elemente ausgeschlossen und die Gewichtung angepasst. Die meisten Profis brauchen 3–7 Iterationen bis zum Ergebnis, das sie wirklich verwenden.

Schritt 5 — Qualitätsprüfung und Dokumentation Das finale Bild wird auf Verwendbarkeit geprüft (Auflösung, Format, Rechtslage, Inhalt) und — für externe Verwendung — mit Plattform und Datum dokumentiert.

Die Mythen der KI-Bildgenerierung — und was tatsächlich stimmt

Mythos: „KI kann alles generieren, was ich mir vorstelle” Realität: KI-Bildgeneratoren sind statistisch interpolierende Systeme. Sie können Bilder generieren, die im Bereich ihrer Trainingsdaten liegen. Hochspezifische, kulturell nischige oder technisch sehr präzise Anforderungen (z. B. „die genaue Architektur unseres Firmensitzes mit unserem Firmenlogo an der richtigen Position”) übersteigen die Fähigkeiten aktueller Systeme.

Mythos: „KI-Bilder sehen alle gleich aus — man erkennt sie sofort” Realität: Gut gepromptete Bilder von erfahrenen Nutzern sind von Laien oft nicht mehr von Fotos oder professionellen Illustrationen zu unterscheiden. Die „typische KI-Ästhetik” ist das Ergebnis schlechter Prompts oder unangepasster Modellparameter — nicht ein unausweichliches Merkmal der Technologie.

Mythos: „Mit KI-Bildern kann ich teure Fotografen dauerhaft ersetzen” Realität: Für bestimmte Einsatzbereiche (Illustrationen, Personas, Konzeptbilder, Stockfoto-Ersatz für allgemeine Themen) ja. Für andere Bereiche (echte Produkte akkurat fotografieren, reale Personen darstellen, journalistische Dokumentation, hochwertige Imagefilm-Fotografie) nein. KI-Bilder ergänzen professionelle Fotografie — sie ersetzen sie nicht vollständig.

Mythos: „Alle KI-Bilder sind DSGVO-Probleme” Realität: KI-generierte Bilder, die keine realen Personen darstellen und keine personenbezogenen Daten enthüllen, haben in der Regel keine direkten DSGVO-Implikationen. Problematisch werden DSGVO und Persönlichkeitsrechte bei erkennbar realen Personen oder personenbezogenen Inhalten im Prompt.

Praktische Entscheidungsbaum für Teams

Für Teams ohne etablierte KI-Bildrichtlinie bietet dieser Entscheidungsbaum eine Erstorientierung:

Startfrage: Wird das Bild intern oder extern verwendet?

Intern (nur für das eigene Unternehmen): → Enthält der Prompt vertrauliche Informationen? → Ja: Lokale Installation (Stable Diffusion) oder DSGVO-konforme Cloud mit AVV → Nein: Jedes Tool nutzbar (DALL·E 3, Midjourney, Firefly etc.)

Extern (Website, Social Media, Kunden, Presse): → Zeigt das Bild erkennbar reale Personen? → Ja: Nicht verwenden — Recht am eigenen Bild, EU AI Act Art. 50 → Nein: Weiter prüfen → Auf welchem Tarif wurde das Bild generiert? → Kostenloser / nicht-kommerzieller Tarif: Nicht für externe Kommunikation erlaubt → Kommerziell freigegebener Tarif: Verwendbar, Kennzeichnung prüfen → Wird das Bild in regulierter Kommunikation verwendet? (Finanzmarkt, Medizin, Behörde) → Ja: Rechts- und Compliance-Freigabe erforderlich, auch mit kommerziell freigegebenem Tarif → Nein: Interne Freigabe nach unternehmensinternem Prozess; EU AI Act Kennzeichnung beachten

Quelle: KI-Wissensbasis von MindsMachines, Edition Juni 2026. Vollständige Fassung als PDF anfordern.

Nächster Schritt

Vom Selbststudium zur Schulung im Team.

Diese Einheit stammt aus unserer Wissensbasis mit 120 Unterrichtseinheiten. Als KI-Schulung vermitteln wir die Inhalte praxisnah an Ihren eigenen Use Cases, EU-AI-Act-konform dokumentiert.

Die Plattform

OneMachine: Ihre KI, in Ihrem System.

Produktive KI, die sicher in Ihrer Organisation läuft: mit eigenen Daten, Rechten und Freigaben. Aus echter Projektpraxis zum lizenzierbaren Produkt verdichtet.

OneMachine ansehen