KI-AkademieModul 4 — Prompt Engineering Vertiefung und Modern Workplace

Wissensbasis · UE 45 von 120

Präsentationen generieren mit Gamma und Copilot PPT

Modul 4 — Prompt Engineering Vertiefung und Modern Workplace ca. 28 Min. Lesezeit

Lernziele

  • Sie können einen vollständigen Präsentations-Brief in fünf Dimensionen (Zielgruppe / Ziel / Kernbotschaft / Folienanzahl / Tonalität) formulieren und beschreiben, warum jede Dimension die Qualität des KI-Outputs beeinflusst.
  • Sie unterscheiden die Stärken von Gamma.app (KI-natives Design) und M365 Copilot in PowerPoint (Corporate-Design-Integration) und wählen für einen gegebenen Anwendungsfall das geeignete Tool.
  • Sie erkennen typische Qualitätsprobleme in KI-generierten Präsentationen (zu viel Text, generische Formulierungen, fehlende Narration) und wenden gezielte Nachbearbeitungs-Prompts an.
  • Sie formulieren „Narrative Action Titles” und können erklären, warum sie besser sind als thematische Überschriften.
  • Sie wissen, welche Datenschutz-Leitlinien bei der Nutzung von Gamma und Copilot für Kundenpräsentationen gelten.
AspektDetails
Dauer90 Minuten
MethodenKurzinput, Hands-on-Übung (Gamma + Copilot), Peer-Review, Plenumsdiskussion
MaterialZugang zu Gamma.app (kostenloser Plan), M365 Copilot in PowerPoint (falls verfügbar), Meeting-Protokoll aus UE 39 (optional)
SchwierigkeitsgradMittel
QuerverweiseUE 40 (Textproduktion), UE 39 (Meeting-Protokolle), UE 43 (Qualitätsprüfung)

Worum geht es?

Präsentationen erstellen ist eine der zeitintensivsten und oft am wenigsten geliebten Aufgaben im Büroalltag. Der typische Prozess: Gliederung überlegen, Folien anlegen, Inhalte suchen, Text schreiben, Layout anpassen, Designs korrigieren — Stunden für eine Acht-Folien-Präsentation, die in dreißig Minuten gezeigt wird.

KI-gestützte Präsentations-Tools versprechen, diesen Prozess radikal zu verkürzen. Gamma.app und M365 Copilot in PowerPoint stehen dabei exemplarisch für zwei unterschiedliche Ansätze: Gamma für schnelle, designoptimierte Präsentationen ohne Corporate-Design-Zwänge; Copilot in PowerPoint für die Integration in bestehende Unternehmens-Templates und die M365-Infrastruktur.

Diese Unterrichtseinheit zeigt, wie beide Tools effektiv genutzt werden, welche Qualitätsdefizite typisch sind und wie Sie durch gezielte Nachbearbeitung professionelle Ergebnisse erzielen.

Lerntext

Der 5-Dimensionen-Präsentations-Brief

Bevor Sie ein KI-Tool öffnen, brauchen Sie einen Präsentations-Brief. Ohne Brief erhalten Sie eine generische Präsentation — mit Brief erhalten Sie einen nützlichen ersten Entwurf.

Dimension 1 — Zielgruppe: Wer sitzt im Publikum? Was wissen sie bereits? Was interessiert sie — und was nicht? Eine Präsentation für technische Experten unterscheidet sich fundamental von einer für die Geschäftsführung oder für Kunden ohne Fachkenntnisse.

Dimension 2 — Ziel: Was soll die Präsentation erreichen? Informieren, überzeugen, motivieren, eine Entscheidung herbeiführen, ein Projekt freigeben, Vertrauen aufbauen? Das Ziel bestimmt die Argumentationslogik und die Art der Schlussfolie.

Dimension 3 — Kernbotschaft: Wenn die Zuhörenden nur eine Sache behalten sollen — welche ist das? Die Kernbotschaft ist der rote Faden, auf den jede Folie einzahlt. Wer keine Kernbotschaft definiert, erhält eine Informationssammlung statt eine Argumentation.

Dimension 4 — Folienanzahl: Wie viele Folien sind angemessen? Weniger ist fast immer besser. Eine Faustregel: maximal eine Folie pro zwei Minuten Redezeit. Für eine dreißigminütige Präsentation: maximal fünfzehn Folien, besser zwölf.

Dimension 5 — Tonalität: Formal oder informell? Inspirierend oder sachlich? Provokativ oder konsensfördernd? Die Tonalität der Präsentation sollte zur Unternehmenskultur des Publikums passen, nicht nur zur eigenen.

Merksatz

Der 5-Dimensionen-Präsentations-Brief ist die Investition von drei Minuten, die einen Unterschied von dreißig Minuten Nacharbeit bedeutet. Ohne Brief: generische Folien, die Sie komplett überarbeiten müssen. Mit Brief: ein strukturierter Entwurf, der Sie 70 Prozent der Strecke trägt.

Gamma.app: KI-natives Präsentationsdesign

Gamma.app ist ein KI-natives Präsentations-Tool — es wurde nicht um eine bestehende Office-Infrastruktur herum gebaut, sondern von Grund auf für KI-generierte Inhalte konzipiert. Das hat Vorteile und Nachteile.

Stärken: Gamma generiert in Minuten eine optisch ansprechende Präsentation mit konsistentem Layout, angemessenen Bildplatzierungen und lesbarer Typografie. Der Einstieg ist kostenlos (mit Wasserzeichen und Volumenbeschränkung). Die Nutzeroberfläche ist intuitiv — keine PowerPoint-Kenntnisse erforderlich.

Workflow: (1) Prompt eingeben: „Erstelle eine Präsentation zu [Thema] für [Zielgruppe] mit [Anzahl] Folien und dem Ziel [Ziel].” (2) Gamma generiert eine vollständige Präsentation. (3) Im Gamma-Editor einzelne Folien bearbeiten, Bilder ersetzen, Texte anpassen. (4) Export als PDF oder PowerPoint.

Schwächen: Gamma kennt Ihr Corporate Design nicht — es verwendet eigene Themes, die angepasst werden können, aber nicht automatisch Ihre Unternehmensfarben und -fonts haben. Für externe Kundenpräsentationen, die das Corporate Design erfordern, ist Gamma entweder nicht geeignet oder erfordert aufwendige nachträgliche Anpassung.

Erweiterte Features: Gamma kann Präsentationen nicht nur aus Text-Prompts, sondern auch aus bestehenden Dokumenten generieren: Meeting-Protokoll, Report, Word-Dokument hochladen → Gamma generiert eine Präsentation auf Basis des Dokuments. Das ist besonders wertvoll für die schnelle Visualisierung von Berichten.

M365 Copilot in PowerPoint: Corporate-Design-Integration

M365 Copilot in PowerPoint ist der Gegenentwurf zu Gamma: kein eigenständiges Tool, sondern eine KI-Erweiterung in der vertrauten PowerPoint-Umgebung. Der entscheidende Vorteil: Copilot arbeitet innerhalb Ihres bestehenden PowerPoint-Templates und kennt die Vorlagenstruktur.

Workflow: (1) Öffnen Sie PowerPoint mit Ihrem Corporate-Template. (2) Copilot-Panel öffnen → Prompt eingeben. (3) Copilot generiert Folien in Ihrem Template-Design. (4) Nachbearbeitung wie gewohnt in PowerPoint.

Stärken: Corporate-Design-Konsistenz ohne Nacharbeit, nahtlose Integration in M365-Workflow (Nutzung von SharePoint-Inhalten, Teams-Protokollen), vertraute Umgebung für PowerPoint-erfahrene Nutzer.

Schwächen: Erfordert Copilot-Lizenz (Teil des M365 Business Premium oder Copilot-Add-on). Die generierte Qualität bei kreativem Design ist geringer als bei Gamma — Copilot ist stärker auf Struktur und Inhalt als auf Designoptimierung ausgerichtet.

Merksatz

Gamma für schnelle, designoptimierte Präsentationen ohne Corporate-Design-Anforderung. M365 Copilot für Präsentationen, die im Unternehmens-Template bleiben müssen. Die Wahl des Tools hängt primär von der Zielgruppe und dem Kontext ab — nicht von persönlicher Präferenz.

Typische Qualitätsprobleme und wie Sie sie beheben

Problem 1 — Zu viel Text: KI-generierte Präsentationen tendieren zu text-überfüllten Folien. Professionelle Präsentationen nutzen Folien als visuelle Anker, nicht als Lesemedium. Lösung: „Reduziere den Text auf jeder Folie auf maximal drei Bullet Points mit maximal zehn Wörtern pro Punkt. Alles andere kommt in die Sprecher-Notizen.”

Problem 2 — Generische Formulierungen: „KI ermöglicht neue Möglichkeiten” — dieser Satz ist in jeder zweiten KI-generierten Präsentation zu finden. Er sagt nichts. Lösung: Jede generische Aussage durch eine spezifische, messbare Aussage ersetzen. Nachbearbeitungs-Prompt: „Identifiziere alle generischen Formulierungen in dieser Präsentation und schlage spezifische, belegbare Alternativen vor.”

Problem 3 — Fehlende Narration: Eine gute Präsentation hat eine Geschichte: Problem → Konsequenz → Lösung → Beweis → Aufruf. Eine KI-generierte Präsentation hat oft nur Informationen — aber keine Dramaturgie. Lösung: Narrative Action Titles einführen (s.u.) und die Folien-Sequenz auf Basis des Pyramiden-Prinzips strukturieren.

Narrative Action Titles: Ein Action Title ist eine Folie-Überschrift, die eine Aussage macht statt ein Thema zu benennen. Statt: „Marktentwicklung 2024” → „Der Markt wächst um 12 %, aber nur für Anbieter mit KI-Integration.” Statt: „Unsere Lösung” → „Unsere Lösung reduziert die Bearbeitungszeit um 40 % in 60 Tagen.” Action Titles sind Argumente — thematische Überschriften sind nur Labels.

Vertiefung — Pyramiden-Prinzip-Prompt und Qualitäts-Checkliste

Praxis-Vertiefung: Visuelle Kommunikationsstrategie und Präsentations-Bibliothek

Aufbau einer unternehmensweiten Präsentations-Bibliothek:

Organisationen, die regelmäßig ähnliche Präsentationen erstellen (Angebots-Pitches, Quartalsberichte, Onboarding-Präsentationen), profitieren von einer strukturierten Präsentations-Bibliothek:

  • Master-Templates: Corporate-Design-Vorlage für die häufigsten Präsentations-Typen (Kundenpitch, interner Statusbericht, Schulung, Allhands)
  • Inhaltliche Bausteine: Wiederverwendbare Folien-Module (Unternehmensprofil, Referenzprojekte, Team-Übersicht, Preisliste) — einmal gut erstellt, immer wieder verwendbar
  • KI-Briefing-Templates: Für jeden Präsentations-Typ ein standardisiertes 5-Dimensionen-Briefing-Template, das den KI-Prompt vorkonfiguriert

Narrative Techniken für überzeugende Präsentationen:

Die Unterscheidung zwischen informativen und überzeugenden Präsentationen liegt oft in der narrativen Struktur. Drei bewährte Narrative-Frameworks:

Framework 1 — Problem-Lösung-Beweis: Folie 1–2: Das Problem aus Perspektive des Publikums schildern (nicht aus eigener Sicht). Folie 3–4: Die Lösung vorstellen — warum genau diese Lösung für dieses Problem? Folie 5–6: Beweise für die Wirksamkeit (Zahlen, Referenzen, Case Studies). Abschluss: Klarer Call-to-Action.

Framework 2 — Status Quo → Welt nach der Veränderung: Folie 1–2: Die aktuelle Situation — Was ist der Ist-Zustand? Folie 3–4: Das Problem mit dem Ist-Zustand — Was funktioniert nicht? Folie 5–6: Die Vision — Wie sieht die Welt nach der Veränderung aus? Folie 7–8: Der Weg dorthin — Konkrete Schritte und Ihrer Rolle dabei.

Framework 3 — Daten-Perspektive-Entscheidung: Folie 1–3: Belastbare Daten und Fakten — Was sagen die Zahlen? Folie 4–5: Interpretation und Perspektive — Was bedeuten die Daten? Folie 6–7: Optionen und Abwägungen — Welche Handlungsoptionen gibt es? Abschluss: Empfehlung und Entscheidungsbitte.

Datenschutz bei Präsentations-Tools:

Gamma.app verarbeitet Inhalte auf externen Servern. Vor der Nutzung für Kundenpräsentationen ist zu prüfen: Enthält die Präsentation vertrauliche Kundendaten? Falls ja: M365 Copilot in PowerPoint (Tenant-intern) ist die datenschutzkonforme Alternative.

Merksatz

Eine Präsentation ist ein Argumentations-Werkzeug, kein Informations-Archiv. Der häufigste Fehler — von KI-generierten wie von manuell erstellten Präsentationen — ist, zu viel Information zu zeigen statt eine überzeugende Argumentation zu führen. Weniger Folien, stärkere Aussagen, klarer Call-to-Action: das ist das Qualitätskriterium.

Das Pyramiden-Prinzip (Barbara Minto) ist die wichtigste Strukturierungsmethode für Managementkommunikation: Kernaussage zuerst, dann unterstützende Argumente, dann Daten und Belege. Eine Präsentation, die dem Pyramiden-Prinzip folgt, beginnt mit der Schlussfolgerung — nicht mit dem Weg dorthin.

Pyramiden-Prinzip-Prompt: „Strukturiere diese Präsentation nach dem Pyramiden-Prinzip: (1) Eröffnungsfolie mit der Kernaussage, (2) drei bis vier Hauptargumente, die diese Kernaussage stützen, (3) für jedes Argument: ein bis zwei Belege oder Datenfolien, (4) Schlussfolie mit klarem nächsten Schritt. Welche Folien fehlen in der aktuellen Version — und welche sind überflüssig?”

Qualitäts-Checkliste für KI-generierte Präsentationen: 1. Hat jede Folie maximal drei Hauptaussagen? 2. Sind alle Folien-Titel Narrative Action Titles (Aussagen statt Themen)? 3. Gibt es eine klare narrative Logik von Folie 1 bis zur letzten Folie? 4. Enthält die Präsentation spezifische, belegbare Aussagen — keine generischen? 5. Ist die Schlussfolie ein klarer Call-to-Action?

Datenschutz-Leitlinien: Bei Kundenpräsentationen, die mit Gamma erstellt werden, ist zu prüfen, ob das hochgeladene Ausgangsdokument vertrauliche Kundeninformationen enthält. Gamma-Dokumente werden auf externen US-Servern verarbeitet. Für vertrauliche Kundendaten: Copilot in PowerPoint oder manuelle Erstellung bevorzugen.

Branchen-Anwendungen

IT-Dienstleistung & Beratung

Ein Vertriebsteam in einem IT-Beratungsunternehmen nutzt Gamma für die schnelle Erstellung von Pitch-Decks. Der Workflow: 5-Dimensionen-Brief in Gamma eingeben, Entwurf in zwanzig Minuten fertig, Designer passt Corporate Design an. Ein Pitch-Deck, das früher zwei Tage in Anspruch nahm, ist in vier Stunden fertig. Die Action Titles werden manuell geschrieben — das ist die wichtigste Individualisierungsarbeit, die nicht an die KI delegiert wird. Win-Rate-Verbesserung nach drei Monaten: subjektiv positiv, aber noch nicht systematisch ausgewertet.

Industrie & Fertigung

Ein Produktionsleiter erstellt monatliche Management-Reviews für die Geschäftsführung. Früher dauerte die Präsentationserstellung drei bis vier Stunden, obwohl der Inhalt (Kennzahlen, Produktionsdaten, Maßnahmen) vorgegeben war. Mit Copilot in PowerPoint und einem vorgefertigten Management-Review-Template dauert die Erstellung ninety Minuten — einschließlich Qualitätsprüfung. Der Produktionsleiter gibt die Kennzahlen in den Prompt, Copilot strukturiert und formuliert die Folien, der Produktionsleiter prüft und ergänzt spezifische Kontextinformationen.

Finanzdienstleistung & Versicherung

Eine Investmentbank-Analystin erstellt wöchentliche Marktkommentar-Präsentationen für institutionelle Kunden. Diese Präsentationen haben strikte Design-Anforderungen und müssen das Corporate Design exakt einhalten. Gamma kommt nicht in Frage — Copilot in PowerPoint mit dem firmeneigenen Template ist die einzige Option. Die Qualitätsverbesserung liegt nicht im Design, sondern im Inhalt: Action Titles und Pyramiden-Prinzip-Struktur verbessern die inhaltliche Klarheit, was das Feedback der Kunden messbar verbessert.

Öffentliche Verwaltung

Ein Planungsamt erstellt Bürger-Informationspräsentationen für öffentliche Veranstaltungen. Diese müssen barrierefrei, verständlich und visuell ansprechend sein — obwohl die Mitarbeitenden keine Designkenntnisse haben. Gamma ermöglicht optisch ansprechende Präsentationen ohne Designkenntnisse. Die Textvereinfachung für Laienpublikum wird durch einen Vereinfachungs-Prompt in ChatGPT ergänzt. Die Bürgerakzeptanz der Veranstaltungen steigt — weil die Präsentationen klarer und zugänglicher wirken.

Diagramm aus der KI-Wissensbasis

Abb. 45.1 — Präsentations-Generierungsworkflow: Tool-Auswahl, Generierung und Nachbearbeitung

Übung 1

8-Folien-Angebotspräsentation im Logistik-Szenario

Szenario: Sie bieten einem Logistikunternehmen mit 200 Mitarbeitenden einen Copilot-Rollout an. Entscheidungsträger ist der CFO. Budget-Indikation: 80.000–100.000 Euro. Ziel der Präsentation: Genehmigung des Projekts durch den Vorstand.

Aufgabe: 1. Formulieren Sie den 5-Dimensionen-Präsentations-Brief (3 Min.) 2. Öffnen Sie Gamma.app — geben Sie den Brief als Prompt ein und generieren Sie eine 8-Folien-Präsentation 3. Identifizieren Sie die drei größten Qualitätsprobleme im Entwurf 4. Schreiben Sie Narrative Action Titles für alle acht Folien

Peer-Review: Tauschen Sie Ihre Präsentation mit einer anderen Person. Bewerten Sie nach der Qualitäts-Checkliste (5 Punkte).

Musterlösung:

Ein starker Gamma-Entwurf für dieses Szenario enthält: Titelfolie mit Kernbotschaft (nicht nur Titel), Problem-Folie mit konkreten Zahlen (Zeit/Kosten), Lösungsfolie mit klarer Beschreibung des Rollouts, ROI-Folie mit Berechnung, Zeitplan-Folie, Referenz-Folie (ähnliche Projekte), Risiko-Folie (antizipierte Einwände), Call-to-Action-Folie. Die häufigsten Defizite im Erstentwurf: zu viel Text, fehlende konkrete Zahlen, thematische statt narrative Folien-Titel.

Übung 2

Präsentation aus Meeting-Protokoll

Nehmen Sie das Meeting-Protokoll aus UE 39 (oder ein vom Trainer bereitgestelltes Protokoll).

Aufgabe: 1. Laden Sie das Protokoll in Gamma hoch (Funktion: „Aus Dokument erstellen”) 2. Gamma generiert einen Folien-Entwurf — evaluieren Sie: Wie gut hat Gamma das Kernthema und die wichtigsten Punkte erfasst? 3. Überarbeiten Sie die Präsentation: Fügen Sie Narrative Action Titles ein, kürzen Sie Text, prüfen Sie nach der Qualitäts-Checkliste 4. Reflektieren: Für welche Situationen ist „Präsentation aus Dokument” besonders nützlich?

Musterlösung:

„Präsentation aus Dokument” ist besonders nützlich, wenn ein längerer Textinhalt (Report, Protokoll, Studie) schnell in eine visualisierungsfähige Form gebracht werden muss. Die KI erfasst Hauptthemen gut, verfehlt aber oft die narrative Dramaturgie und priorisiert Informationen nach Länge statt nach Wichtigkeit. Die Nachbearbeitung — insbesondere Action Titles und Struktur-Check — ist obligatorisch.

Prompt-Vorlagen

5-Dimensionen-Präsentations-Brief: „Erstelle eine Präsentation zu [Thema]. Zielgruppe: [Beschreibung: Vorwissen, Funktion, Erwartungen]. Ziel: [Was soll nach der Präsentation geschehen?]. Kernbotschaft: [Ein Satz, den die Zuhörenden behalten sollen]. Folienanzahl: [Anzahl] Folien. Tonalität: [formal / inspirierend / sachlich / provokativ]. Besondere Anforderungen: [Corporate Design? Spezifische Abschnitte? Datenlage?]”

Text-Reduktions-Prompt: „Reduziere den Text auf jeder Folie auf maximal drei Bullet Points mit maximal zehn Wörtern pro Punkt. Lagere alle weiteren Informationen in Sprecher-Notizen aus. Die Folie soll als visueller Anker dienen, nicht als Lesetext.”

Action-Title-Konvertierungs-Prompt: „Wandle alle Folientitel dieser Präsentation in Narrative Action Titles um. Ein Narrative Action Title ist eine Aussage, die die Kernaussage der Folie benennt — kein thematisches Label. Beispiel: Nicht ‘Marktentwicklung 2024’ sondern ‘Der Markt wächst 12 %, aber nur für KI-bereite Anbieter.’”

Pyramiden-Prinzip-Prompt: „Strukturiere diese Präsentation nach dem Pyramiden-Prinzip: (1) Eröffnung mit der Kernaussage, (2) drei bis vier Hauptargumente, (3) Belege pro Argument, (4) Schlussfolie mit Call-to-Action. Welche Folien fehlen? Welche sind überflüssig?”

Qualitätsprüfungs-Prompt: „Prüfe diese Präsentation nach folgenden Kriterien: (1) Haben alle Folien maximal drei Aussagen? (2) Sind alle Titel Narrative Action Titles? (3) Gibt es eine klare narrative Logik? (4) Gibt es generische Formulierungen, die durch spezifische ersetzt werden sollten? (5) Hat die Schlussfolie einen klaren Call-to-Action?”

Cheatsheet — Präsentation mit KI

5-Dimensionen-Brief: Zielgruppe · Ziel · Kernbotschaft · Folienanzahl · Tonalität → immer vor Tool-Öffnung formulieren

Tool-Auswahl: - Gamma → schnell, designoptimiert, kein Corporate Design nötig - Copilot PPT → Corporate-Design-Integration, M365-Infrastruktur

Narrative Action Titles: Aussage statt Thema. „Markt wächst 12 %” statt „Marktentwicklung”. Jeder Titel soll die Folie argumentativ zusammenfassen.

3 typische Qualitätsprobleme: 1. Zu viel Text → max. 3 Bullets, 10 Wörter/Punkt 2. Generische Formulierungen → spezifisch und messbar 3. Fehlende Narration → Pyramiden-Prinzip + Action Titles

Qualitäts-Checkliste: 1. Max. 3 Aussagen pro Folie? 2. Alle Titel Narrative Action Titles? 3. Narrative Logik erkennbar? 4. Spezifische Aussagen (keine Floskeln)? 5. Schlussfolie = klarer Call-to-Action?

Reflexionsfragen

  1. Welche Präsentationen in Ihrem Arbeitsalltag würden am meisten von KI-Generierung profitieren — und welche sind zu wichtig oder zu individuell für einen KI-Erstentwurf?
  2. Wann ist ein thematischer Folientitel sinnvoll — und wann ist ein Narrative Action Title überlegen? Können Sie ein Beispiel aus Ihrer eigenen Praxis nennen?
  3. Wie würden Sie das Datenschutzrisiko bei der Nutzung von Gamma für Kundenpräsentationen in Ihrer Organisation bewerten — und welche Richtlinien würden Sie empfehlen?

Vertiefungsübung — Narrative Präsentation überarbeiten

Übung 3 — Vom Folienstapel zur Storyline: Narrative Action Titles entwickeln

Aufgabe: Überarbeiten Sie eine bestehende Präsentation mit dem Fokus auf narrativ wirkungsvolle Folien-Titel und eine durchgehende Storyline.

Material: Laptop; Zugang zu ChatGPT oder Claude; eine Präsentation (PPT, PDF oder als Text) mit mindestens acht Folien.

Schritt-für-Schritt: 1. Extrahieren Sie alle Folien-Titel der Präsentation in eine Textliste. 2. Geben Sie die Titel in die KI: „Bewerte diese Folien-Titel nach dem Prinzip der Narrative Action Titles — beschreiben sie eine Botschaft oder nur ein Thema? Schlage für jeden Titel eine narrative Alternative vor.” 3. Überarbeiten Sie die Titel auf Basis der Vorschläge. Ein guter Narrative Action Title beantwortet: Was soll der Zuhörer nach dieser Folie denken oder fühlen? 4. Überprüfen Sie die Storyline: Lesen Sie nur die überarbeiteten Titel — ergibt die Sequenz eine kohärente Geschichte? Wo gibt es Brüche? 5. Überarbeiten Sie die Reihenfolge oder ergänzen Sie fehlende Übergänge.

Erwartetes Ergebnis: Eine überarbeitete Titel-Sequenz, die eine Storyline erzählt, und ein kurzes Feedback darüber, was sich durch die Überarbeitung argumentativ verändert hat.

Musterlösung: Narrative Action Titles statt thematischer Überschriften: „Projektstatus” → „Das Projekt liegt drei Wochen hinter Plan — aber wir haben einen Weg zurück.” „KI-Anwendungen in der Branche” → „Vier von fünf führenden Unternehmen nutzen bereits KI in der Kundenbetreuung.” Die zweite Variante erzeugt sofort eine emotionale Reaktion und einen Kontext für die folgende Folie.

Branchen-Vignette — Vertrieb und Presales

Ein Vertriebsteam in einem Software-Unternehmen nutzt KI-gestützte Präsentations-Erstellung für Kunden-Pitches. Die Herausforderung: Jede Präsentation muss individuell auf die Branche, die Unternehmensgröße und den spezifischen Schmerzpunkt des potenziellen Kunden zugeschnitten sein. Mit Gamma.app wird ein effizientes System entwickelt: Das Vertriebs-Team erstellt für jede Hauptbranche eine Basis-Präsentation. Für jeden individuellen Kunden-Pitch wird diese Basis in fünfzehn Minuten angepasst: Branchenspezifische Beispiele werden ausgetauscht, die Narrative auf den Kunden-Schmerzpunkt justiert, und Referenzprojekte aus derselben Branche eingefügt. Das Ergebnis: Individuell wirkende Präsentationen in einem Bruchteil der bisherigen Zeit. Die Vertriebsleitung berichtet, dass die Conversion-Rate in der Pitch-Phase um 18 Prozent gestiegen ist — die Kunden nehmen wahr, dass die Präsentationen wirklich auf sie zugeschnitten sind.

Promptbaustein — Vollständiger Präsentations-Erstellungs-Workflow

Phase 1 — Storyline entwickeln: „Ich möchte eine Präsentation zu [Thema] erstellen. Zielgruppe: [Publikum beschreiben]. Ziel: [Was soll die Präsentation erreichen?]. Dauer: [Minuten]. Entwickle drei alternative Storyline-Optionen — jede als Sequenz von 6–8 Folientiteln im Narrative-Action-Title-Format.”

Phase 2 — Struktur ausarbeiten: „Ich wähle Storyline [Nummer]. Arbeite diese Storyline zu einem vollständigen Präsentations-Outline aus: für jede Folie eine kurze Inhaltsbeschreibung (2–3 Sätze) und einen Hinweis auf empfohlene Visualisierung (Diagramm, Bild, Tabelle, Icon).”

Phase 3 — Folien-Texte generieren: „Erstelle für Folie [Nummer] einen Sprechertext (max. 100 Wörter) und einen Folien-Text (max. 30 Wörter). Nutze das Narrative Action Title-Prinzip.”

Phase 4 — Qualitätsprüfung: „Lies alle Folientitel und prüfe: Erzählen sie eine zusammenhängende Geschichte? Gibt es inhaltliche Brüche oder Wiederholungen? Verbindet jede Folie sinnvoll zur nächsten?”

  1. Was ist der wichtigste Schritt nach der KI-Generierung einer Präsentation — bevor Sie sie an Kunden senden?
  2. Welche Elemente einer Präsentation sollten immer manuell erstellt werden — weil KI-Tools sie systematisch schlechter machen als ein Mensch?
  3. Wie verändert KI-gestützte Präsentationserstellung die Erwartungen von Stakeholdern? Steigt die Erwartungshaltung, wenn Präsentationen schneller und häufiger kommen?
  4. Beschreiben Sie eine Situation, in der eine visuell beeindruckende Präsentation den Inhalt übertroffen hat — und eine, in der das Gegenteil der Fall war. Was war die Wirkung jeweils?

Promptbaustein — Storyline und Folienstruktur entwickeln

„Ich muss eine Präsentation zu folgendem Thema erstellen: [Thema]

Kontext: - Zielgruppe: [Wer sieht die Präsentation — z. B. Geschäftsführung, Kunden, Fachteam] - Anlass: [z. B. Quartals-Review, Projekt-Kickoff, Verkaufspräsentation] - Zeitrahmen: [z. B. 15 Minuten + 5 Minuten Fragen] - Kernaussage: [Was sollen die Zuhörer nach der Präsentation wissen / entscheiden / tun?]

Bitte erstelle: 1. Eine Storyline in 3 Akten (Problem → Lösung → Aufruf zum Handeln) 2. Eine Folienstruktur mit 8–12 Folien (Folientitel als Aktionssätze, nicht als Substantive) 3. Für jede Folie: Ein Satz zur Kernbotschaft und eine Idee für die Visualisierung 4. Drei alternative Eröffnungssätze für den Redestart

Verwende das Minto-Pyramidenprinzip: Beginne mit der Schlussfolgerung, belege sie dann.”

Praxis-Kurzbeispiel: Angebotspräsentationen in einer Werbeagentur

Eine mittelgroße Werbeagentur präsentiert pro Monat 8–12 Konzepte an potenzielle und bestehende Kunden. Die Erstellung einer Pitch-Präsentation dauerte früher 2–3 Tage — eine erhebliche Belastung für das Kreativteam.

Neue KI-gestützte Workflow-Struktur:

PhaseDauerToolOutput
Briefing auswerten30 Min.CopilotBriefing-Zusammenfassung, Kernfragen
Storyline entwickeln45 Min.ChatGPTNarrative Struktur, 3 Alternativen
Foliengerüst erstellen60 Min.Gamma / PowerPointRohpräsentation mit Platzhaltern
Kreative Ausarbeitung4 Std.Manuell + KI-BilderFertige Präsentation

Gesamtzeit: 6–7 Stunden (statt 2–3 Tage)

Qualitätsverbesserung: Weil das Team mehr Zeit für die kreative Ausarbeitung hat, sind Pitch-Präsentationen tiefer und individueller geworden. Die Erfolgsquote bei Pitch-Präsentationen stieg von 34 % auf 41 %.

Wichtiger Hinweis: Die Agentur hat eine strikte Regel: Kein KI-generiertes Bild ohne Freigabe durch den Creative Director. Qualitäts- und Markenkonsistenz haben Vorrang vor Geschwindigkeit.

Quellen & Weiterlesen

QuelleTypURL
Gamma.app — ProduktdokumentationProduktwebsitehttps://gamma.app
Microsoft: „Copilot in PowerPoint”Dokumentationhttps://support.microsoft.com/en-us/office/create-a-new-presentation-with-copilot-in-powerpoint-3222ee03-f5a4-4d27-8642-9c387ab4854d
Barbara Minto: „The Pyramid Principle”Buchverweishttps://www.barbaraminto.com/textbook.html
Nancy Duarte: „Resonate — Present Visual Stories”Buchverweishttps://www.duarte.com/resonate/
Dan Roam: „The Back of the Napkin”Buchverweishttps://www.danroam.com
Garr Reynolds: „Presentation Zen”Buchverweishttps://www.presentationzen.com

Hinweise für AI Champions — So vermitteln Sie das Thema

Timing: 90 Minuten — 20 Min. Input (5-Dimensionen-Brief, Tool-Vergleich, Action Titles), 30 Min. Übung 1 (Gamma + Action Titles), 25 Min. Übung 2 (Protokoll → Präsentation), 15 Min. Peer-Review und Abschluss.

Methodische Empfehlung: Zeigen Sie live, wie ein generischer Gamma-Entwurf aussieht — und dann, wie die Qualitäts-Checkliste und Action Titles ihn transformieren. Der Vorher-Nachher-Vergleich ist überzeugender als jede Erklärung. Action Titles sind ein Konzept, das mit einem Beispiel sofort verstanden wird: Schreiben Sie einen thematischen Titel und darunter die Action-Title-Version, und fragen Sie: „Welcher ist besser — und warum?”

Stolpersteine: Gamma kann in Schulungsumgebungen mit langsamen Internetverbindungen träge sein. Empfehlung: Vorab einen Entwurf generieren und als Backup gespeichert haben. Zweites Problem: Teilnehmende wollen oft zu viel Zeit in das Nachbearbeiten des Gamma-Entwurfs investieren. Thematisieren Sie das Ziel: Es geht um einen 70-%-Entwurf, nicht um eine finale Präsentation.

Diskussionsfragen: „Wie viele Präsentationen haben Sie in den letzten zwölf Monaten erstellt — und wie viele davon wären mit KI-Unterstützung in einem Bruchteil der Zeit fertig gewesen?”

Tafelbild: 5-Dimensionen-Brief als Formular. Daneben: Tool-Auswahl-Tabelle (Gamma vs. Copilot) mit Vor- und Nachteilen. Dazu: Action Title-Beispiel (Alt / Neu).

Differenzierung: Fortgeschrittene entwickeln ein vollständiges Präsentations-Produktions-System: Template für 5-Dimensionen-Brief, Checkliste für Qualitätsprüfung, persönliche Bibliothek von Prompt-Varianten. Einsteigerinnen und Einsteiger fokussieren auf die Gamma-Basis-Nutzung und zwei Action Titles.

Materialliste: Meeting-Protokoll für Übung 2 (bereitgestellt, anonymisiert), Zugang zu Gamma.app, optional Copilot in PowerPoint.

Tipp zur Branchenauswahl: Die Finanzdienstleistungs-Vignette (Corporate Design als harte Anforderung) verdeutlicht den Unterschied zwischen Gamma und Copilot in PPT besonders klar. Die Verwaltungs-Vignette (Bürgerpräsentationen, Barrierefreiheit) leitet gut auf UE 46 über.

Übergang zu UE 46: „Wir haben gestern Präsentationen generiert. Jetzt stellen wir sicher, dass diese Präsentationen — und alle anderen Dokumente — auch für alle Menschen zugänglich sind. Barrierefreiheit ist seit 28. Juni 2025 gesetzliche Pflicht — und KI kann dabei erheblich helfen.”

Vertiefung II — Strategische Ebene: Storytelling und Narrative Präsentations-Architektur

Die Wissenschaft des überzeugenden Vortrags

Hinter erfolgreichen Präsentationen steckt mehr als gutes Design und klare Inhalte. Kognitionswissenschaft und Kommunikationsforschung haben herausgefunden, was Präsentationen wirklich überzeugend macht — Erkenntnisse, die mit KI-Unterstützung systematisch angewendet werden können.

Das Dual-Coding-Prinzip

Das Dual-Coding-Prinzip (Allan Paivio) besagt: Menschen erinnern Informationen besser, wenn sie sowohl verbal (Text, Sprache) als auch visuell (Bilder, Grafiken) kodiert werden. Eine Präsentation, die dasselbe in Text und Bild ausdrückt, nutzt dieses Prinzip — nicht durch Redundanz, sondern durch komplementäre Kodierung. KI kann helfen, Dual-Coding-optimierte Folien zu entwickeln: „Für diese textuelle Aussage [Aussage]: Beschreibe eine passende visuelle Metapher oder Grafik, die die Information komplementär — nicht identisch — kommuniziert.”

Emotionale Anker in Präsentationen

Forschungen der Neurowissenschaftlerin Lisa Feldman Barrett zeigen: Emotionen sind nicht Reaktionen auf Ereignisse — sie sind Vorhersagen des Gehirns, die durch Kontext geformt werden. Präsentationen, die emotionale Anker setzen (eine überraschende Statistik, eine kurze persönliche Geschichte, ein konkretes Kundenzitat), aktivieren emotionale Systeme im Gehirn und verbessern damit Aufmerksamkeit und Erinnerungsleistung. Prompt: „Identifiziere in dieser Präsentation Stellen, an denen ein emotionaler Anker besonders wirkungsvoll wäre. Schlage für jede Stelle konkrete emotionale Anker vor: eine überraschende Zahl, ein Kundenzitat, eine kurze Geschichte, eine rhetorische Frage.”

Die 10-20-30-Regel (Guy Kawasaki)

Guy Kawasakis 10-20-30-Regel ist eine pragmatische Faustregel für Pitch-Präsentationen: Maximal 10 Folien, maximal 20 Minuten, mindestens 30pt Schriftgröße. Hinter dieser Regel steckt ein tieferer Gedanke: Komprimierung erzwingt Klarheit. Wer nicht auf zehn Folien beschränkt ist, neigt dazu, weniger zu priorisieren. KI kann bei der Komprimierung helfen: „Komprimiere diese 20-Folien-Präsentation auf 10 Kernfolien. Welche Folien sind für die Entscheidung des Publikums unverzichtbar — und welche könnten entfernt oder in andere Folien integriert werden?”

Die Geschichte des Helden-Kunden

Eine besonders effektive Narrativ-Struktur für Verkaufspräsentationen ist die Geschichte des Helden-Kunden: Nicht das präsentierende Unternehmen ist der Held — der Kunde ist der Held. Das eigene Angebot ist der Guide, der dem Helden hilft, sein Problem zu lösen (angelehnt an die StoryBrand-Methode von Donald Miller). Diese Struktur ist kontra-intuitiv — viele Präsentationen beginnen mit der eigenen Unternehmensdarstellung. KI kann bei der Transformation helfen: „Überarbeite diese Präsentation nach der Helden-Kunden-Struktur: (1) Der Kunde als Held — was ist sein Ziel? (2) Das Problem — was hält ihn davon ab? (3) Der Guide (wir) — wie helfen wir? (4) Der Plan — was passiert, wenn der Kunde uns beauftragt? (5) Der Erfolg — wie sieht das Ergebnis aus?”

UE 45-E — Erweiterte Praxis: Visuelle Kommunikationsstrategie und Präsentations-Bibliothek

Vertiefung II — Von der Einzelpräsentation zur Präsentations-Bibliothek

Professionelle Kommunikatoren erstellen keine Präsentationen von Grund auf neu — sie ziehen aus einer Bibliothek bewährter Bausteine. Eine Präsentations-Bibliothek ist eine strukturierte Sammlung von erprobten Folien, Templates und Textbausteinen, die für neue Präsentationen kombiniert und angepasst werden.

Aufbau einer Präsentations-Bibliothek

Eine sinnvoll aufgebaute Präsentations-Bibliothek enthält: Strukturelle Bausteine (Eröffnungsfolie-Varianten, Problem-Slide-Varianten, Lösungs-Narratives, ROI-Kalkulationsrahmen, Referenz-Folie-Template, Call-to-Action-Varianten), inhaltliche Bausteine (häufig verwendete Argumente mit belegenden Daten, typische Einwände mit Antworten, Marktdaten-Slides, die regelmäßig aktualisiert werden), und stilistische Bausteine (drei bis vier Narrativ-Templates für unterschiedliche Zielgruppen).

Mit KI-Unterstützung kann diese Bibliothek systematisch aufgebaut werden: „Analysiere diese fünf erfolgreichen Präsentationen. Identifiziere strukturelle Muster, die in allen vorhanden sind. Welche Foliensegmente wiederholen sich? Schlage eine generische Bibliotheks-Struktur vor, die diese Muster abbildet.”

Präsentation für unterschiedliche Kulturen

Ebenso wie E-Mails kulturell kalibriert werden müssen, gilt das für Präsentationen. Eine Präsentation für deutschen Mittelstand (strukturiert, datenorientiert, skeptisch gegenüber Übertreibungen) klingt anders als eine für ein US-amerikanisches Publikum (energetisch, narrative-getrieben, Erfolgsgeschichten prominent) oder für ein japanisches Publikum (konsensorientiert, detailreich, Hierarchie respektierend). Prompt: „Überarbeite diese Präsentation für ein [Kultur]-Publikum. Berücksichtige: [kulturspezifische Anforderungen].”

Slidedoc-Format: Die Hybrid-Lösung

Das Slidedoc-Format (Begriff von Nancy Duarte) ist eine Hybrid-Form zwischen Präsentation und Dokument: mehr Text als eine klassische Präsentation, strukturierter als ein Word-Dokument, für asynchrones Lesen optimiert. Slidedocs eignen sich für Analysen und Berichte, die selbsterklärend sein müssen, für Entscheidungsvorlagen, die ohne Moderation verstanden werden sollen, und für Wissenstransfer-Dokumente. KI kann beim Erstellen von Slidedocs helfen: „Erstelle einen Slidedoc-Entwurf zu [Thema]. Format: Eine Folie pro Hauptpunkt, mit vollständigen Erklärungen im Folientext (kein Sprecher-Notizenformat). Ziel: Selbsterklärend ohne Vortrag.”

Barrierefreiheit in Präsentationen

Präsentationen sind häufig das am wenigsten barrierefreie Dokumentformat in Organisationen. Bilder ohne Alt-Texte, Farbkodierungen ohne textliche Alternative, fehlende Folientitel — all das schließt Nutzerinnen und Nutzer mit Einschränkungen aus. KI kann einen Barrierefreiheits-Check unterstützen: „Überprüfe diese Präsentation (Folientexte eingegeben) auf Barrierefreiheits-Defizite: (1) Fehlende Alt-Text-Angaben (markiert durch ‘[Bild]’-Platzhalter), (2) Farbkodierungen ohne textliche Alternative, (3) Folien ohne sprechenden Titel.”

Sprecher-Notizenoptimierung

Sprecher-Notizen sind das unterschätzte Herzstück professioneller Präsentationen. Gut ausgearbeitete Notizen ermöglichen es, Präsentationen zu delegieren, sichern die Botschaft wenn der Ersteller verhindert ist und sind ein effektives Coaching-Tool für die eigene Vorbereitung. KI-optimierte Sprecher-Notizen: „Erstelle für jede dieser Folien Sprecher-Notizen. Struktur: (1) Kernbotschaft der Folie in einem Satz, (2) drei bis vier unterstützende Punkte oder Anekdoten, (3) Überleitung zur nächsten Folie, (4) mögliche Fragen aus dem Publikum zu dieser Folie.”

Präsentations-Review mit Peer-Feedback

KI kann Peer-Feedback nicht ersetzen — aber es kann als strukturierter Erste-Entwurf-Feedback dienen, bevor ein menschlicher Reviewer Zeit investiert. Prompt: „Lies diese Präsentation und gib mir Feedback in drei Kategorien: (1) Inhaltliche Stärken — was ist besonders überzeugend? (2) Inhaltliche Schwächen — was fehlt oder überzeugt nicht? (3) Strukturelle Verbesserungsvorschläge — wie könnte die Argumentation klarer oder stärker sein?”

Quelle: KI-Wissensbasis von MindsMachines, Edition Juni 2026. Vollständige Fassung mit Anhängen und Musterlösungen: als PDF anfordern.

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