Lernziele
Sie erstellen eine strukturierte 12-Monats-KI-Roadmap, die Use Cases, Piloten, Rollout-Phasen, Governance-Meilensteine und Ressourcenbedarf in vier Quartale gliedert.
Sie begründen, warum Governance-Meilensteine in der Roadmap vor den ersten Use-Case-Rollouts platziert werden müssen.
Sie planen mit der Swimlane-Methode (Post-it / digitales Board) und unterscheiden drei Spuren: Use Cases, Governance, Schulungen.
Sie integrieren die Ergebnisse der vorangegangenen UEs (priorisierte Use Cases, Pilot-Designs, Governance-Struktur) in eine kohärente, zeitlich koordinierte Gesamtplanung.
Sie bauen Anpassungsfähigkeit in die Roadmap ein und begründen, warum quartalsweise Roadmap-Reviews kein Zeichen von Planungsschwäche, sondern professionelles Risikomanagement sind.
Auf einen Blick
| Dauer | 45 Min |
| Methodik | Moderierter Workshop (Post-it-Methode / Miro / digitales Board) |
| Vorwissen | UE 86–93 (alle vorherigen UEs dieses Moduls) |
| AI-Act-Kompetenz | Anwendungskompetenz |
| Querverweise | UE 86–93 (Voraussetzung: gesamtes Modul), UE 95 (Vertiefung: Business Case), UE 96 (Synthese: Workshop) |
Worum geht es? — Der didaktische Einstieg
Ohne Roadmap entwickelt sich KI-Adoption in Unternehmen nach dem Prinzip des stärksten Impulses: Wer gerade eine spannende Demo gesehen hat, startet einen Pilot. Wer von einem Wettbewerber gehört hat, der ein KI-Tool einsetzt, kauft es sofort. Das Ergebnis nach zwölf Monaten: zehn halbfertige Initiativen, frustrierte Teams, und eine Geschäftsführung, die fragt, wo die versprochenen Effizienzgewinne geblieben sind.
Die 12-Monats-KI-Roadmap löst dieses Problem nicht durch mehr Kontrolle, sondern durch mehr Koordination. Sie ordnet die vorhandenen Initiativen in eine sinnvolle Sequenz, verknüpft sie mit Governance-Meilensteinen und macht den Ressourcenbedarf transparent. Sie ist kein starrer Plan, den es in jedem Detail einzuhalten gilt — sie ist ein koordinierendes Dokument, das quartalsweise aktualisiert wird.
Am Ende dieser UE haben Sie einen konkreten Roadmap-Entwurf, der direkt als Ausgangspunkt für die nächste Management-Runde und für die Projektarbeit dient.
Lerntext — Theorie und Konzepte
Die vier Quartale der KI-Roadmap
Quartal 1 — Fundament legen: Governance-Grundlagen kommen zuerst. Ohne Governance-Fundament haben alle späteren Initiativen keine stabile Basis. - Governance-Handbuch erstellen und erste Version verabschieden - KI-Beauftragten benennen - Datenqualitäts-Audit für Top-3-Use-Cases abschließen - Piloten mit Early Adopters starten (Use Case 1) - Erste Schulungsgruppe abschließen - Betriebsratseinbindung (falls erforderlich)
Quartal 2 — Piloten skalieren: - Go/No-Go-Entscheidung Use Case 1 auf Basis der in UE 91 definierten KPIs - Rollout Use Case 1 auf erste Abteilung (falls Go) - Pilot Use Case 2 starten mit Early Adopters - Zweite Schulungsgruppe abschließen - Governance-Handbuch erstes Update (neue Einträge im Freigabe-Register)
Quartal 3 — Wachstum: - Rollout Use Case 2 auf erste Abteilung (falls Go) - Pilot Use Case 3 starten - Erste ROI-Auswertung (Vergleich Prognose vs. Ist, aus Business Case UE 95) - Governance-Review: Was hat funktioniert? Was muss angepasst werden? - Dritte Schulungsgruppe
Quartal 4 — Skalierung und Reflexion: - Vollständiger Rollout erfolgreicher Use Cases oder bewusste Entscheidung gegen einzelne Use Cases - Aufbau der KI-Multiplikatoren-Community - Jahresrückblick: Was hat funktioniert? Was nicht? Welche neuen KI-Werkzeuge sind relevant geworden? - Planung Roadmap Jahr 2

Abb. 94.1 — KI-Roadmap 12 Monate: Swimlanes Use Cases, Governance, Schulungen
Swimlane-Struktur: drei Spuren
Die Roadmap wird in drei parallelen Spuren (Swimlanes) dargestellt:
Spur 1 — Use Cases: Status der einzelnen Use Cases pro Quartal (Vorbereitung / Pilot / Rollout / Produktiv / Pause).
Spur 2 — Governance: Governance-Meilensteine (Handbuch-Version, Audits, Reviews, EU-AI-Act-Compliance-Prüfungen).
Spur 3 — Schulungen: Schulungsgruppen, Multiplikatoren-Training, neue MA-Onboarding.
Diese drei Spuren sind voneinander abhängig: Ein Use-Case-Rollout in Quartal 2 setzt voraus, dass die Governance-Meilensteine aus Quartal 1 abgeschlossen sind. Ein Pilot mit einer zweiten Abteilung setzt voraus, dass diese Abteilung geschult wurde.
Merksatz
Governance-Meilensteine gehören in Q1 — nicht in Q2. Jede Organisation, die „erst die Use Cases, dann die Governance” plant, riskiert unkontrollierte KI-Adoption. Die Sequenz lautet immer: Governance-Fundament → erster Pilot → Go/No-Go → Rollout.
Häufige Fehler bei der Roadmap-Erstellung
Fehler 1 — Zu viele Piloten gleichzeitig: Drei Piloten parallel überlasten die Early-Adopter-Gruppe und die IT. Maximum: zwei parallele Piloten in einem Quartal.
Fehler 2 — Zu schneller Rollout ohne Go/No-Go: Ein Pilot, der noch keine validierten Ergebnisse hat, wird auf Druck der Geschäftsführung ausgerollt. Das führt zu schlechten Erfahrungen im breiteren Team und erschwert spätere KI-Initiativen.
Fehler 3 — Governance nach hinten verschieben: Das Governance-Handbuch wird als erstes auf Quartal 2 verschoben, weil die Use Cases „wichtiger sind”. Dieser Fehler akkumuliert Risiken und ist der häufigste Grund für spätere Compliance-Probleme.
Fehler 4 — Neue KI-Tools unkontrolliert adoptieren: Im Laufe des Jahres erscheinen neue, spannende KI-Werkzeuge. Die Roadmap wird ignoriert, neue Tools werden spontan eingeführt. Gegenstrategie: ein definierter „KI-Tool-Prüfprozess” (1 Stunde, KI-Beauftragter + IT + ein Fachbereich) bewertet neue Tools gegen die laufende Roadmap.
Anpassungsfähigkeit als Qualitätsmerkmal
Eine 12-Monats-KI-Roadmap ist kein Steingemälde. Im KI-Bereich kommen alle drei bis sechs Monate relevante neue Werkzeuge, Regulierungspräzisierungen und Paradigmen. Quartalsweise Reviews sind deshalb kein Zeichen von Planungsschwäche — sie sind professionelles Risikomanagement.
Das Review-Format: 60 Minuten mit KI-Beauftragtem, Skill-Ownern und IT. Agenda: (1) Wurden die Q-Meilensteine erreicht? (2) Welche Abweichungen gab es und warum? (3) Welche neuen KI-Werkzeuge oder -Regulierungen müssen in der Roadmap berücksichtigt werden? (4) Anpassung der nächsten zwei Quartale.
Merksatz
Eine Roadmap, die nach sechs Monaten nicht angepasst wurde, ist keine Roadmap — sie ist ein Relikt. Quartalsweise Reviews sind der Mechanismus, der die Roadmap lebendig hält und auf Realität ausrichtet. Abweichungen sind keine Fehlschläge — sie sind Lernergebnisse.
Vertiefung — Ressourcenplanung: Was eine 12-Monats-KI-Roadmap wirklich kostet
Vertiefung — Roadmap-Governance: Wie ein Quartal-Review funktioniert
Eine Roadmap ohne Governance-Mechanismus verrottet. Der Quarterly Roadmap Review ist der operative Kern der KI-Roadmap-Steuerung. Was in diesem Review passiert — und was nicht:
Was im Review passiert (45–60 Minuten, einmal pro Quartal): - Rückblick: Welche Roadmap-Meilensteine wurden erreicht? Wo gab es Verzögerungen und warum? - Lernen: Was hat der laufende Pilot ergeben? Müssen Annahmen im Business Case angepasst werden? - Vorschau: Sind die geplanten Q+1-Meilensteine noch realistisch — oder müssen sie angepasst werden? - Ressourcen: Sind die eingeplanten Ressourcen noch verfügbar? Gibt es neue Konflikte? - Entscheidungen: Werden konkrete Entscheidungen getroffen (Pilot verlängern / skalieren / stoppen, neuen Use Case aufnehmen, Governance-Richtlinie anpassen).
Was im Review nicht passiert: - Kein operativer Status-Report (der läuft monatlich in einem kürzeren Format). - Keine strategischen Grundsatzdiskussionen (die gehören in ein separates strategisches Review). - Keine Tool-Demos — der Review ist ein Steuerungsgespräch, keine Präsentation.
Wer teilnimmt: KI-Beauftragter, Entscheidungsträger der Fachbereiche mit laufenden Use Cases, IT-Vertreter, optionaler Geschäftsführungs-Sponsor. Kein Full-Plenum — zu viele Personen verlangsamen die Entscheidungsfindung.
Das Rollierungsprinzip: Statt eines fixen 12-Monats-Plans wird die Roadmap nach jedem Quartal um ein Quartal verlängert (Rolling-Quarter-Ansatz). Nach Q1-Review: Plan geht von Q2 bis Q5. Nach Q2-Review: Plan geht von Q3 bis Q6. Dieses Prinzip verhindert, dass die Roadmap nach sechs Monaten hoffnungslos veraltet ist.
Dokumentation: Das Minimum ist ein einseitiges Quartal-Review-Protokoll mit vier Feldern: Erreichte Meilensteine, Gründe für Abweichungen, Anpassungen für Q+1, offene Entscheidungen mit Verantwortlichen. Dieses Protokoll geht an alle Stakeholder innerhalb von 48 Stunden nach dem Review.
Eine häufig unterschätzte Dimension der Roadmap ist die Ressourcenplanung. Typische Angaben in Personentagen für ein Unternehmen mit 80–150 Mitarbeitenden:
Quartal 1 (Fundament legen): - Governance-Handbuch erstellen: 3–5 Personentage - Datenqualitäts-Audit für 3 Use Cases: 2–4 Personentage - Pilot UC1 konfigurieren + onboarden: 3–5 Personentage (IT + Fachbereich) - Schulungsgruppe 1 begleiten: 6–10 Personentage (Trainer-Aufwand, falls intern) - Quartal 1 gesamt: ca. 14–24 Personentage
Quartal 2 (Piloten skalieren): - Pilot UC1 auswerten + Rollout organisieren: 3–4 Personentage - Pilot UC2 konfigurieren + onboarden: 3–5 Personentage - Schulungsgruppe 2 begleiten: 6–10 Personentage - Quartal 2 gesamt: ca. 12–19 Personentage
Quartale 3–4 (Wachstum und Skalierung): - Rollouts, weitere Piloten, Reviews: ca. 20–28 Personentage
Gesamtaufwand Jahr 1: ca. 46–71 Personentage bei sauber geplanter Umsetzung.
Roadmap-Kommunikation: Verschiedene Stakeholder brauchen verschiedene Roadmap-Sichten: Geschäftsführung: Quartalsübersicht mit Meilensteinen, Ressourcenbedarf und erwartetem ROI-Zeitpunkt (eine Seite, keine technischen Details). Fachbereich: Detailplan für das eigene Quartal. IT: Technische Abhängigkeiten und Infrastruktur-Meilensteine. Belegschaft: Kurze, regelmäßige Updates im Intranet (einmal pro Quartal).
Was-wenn-Szenarien: Eine robuste Roadmap enthält explizite Szenarien für häufige Abweichungsursachen: Pilot UC1 ergibt ein No-Go (Was passiert mit der restlichen Roadmap?), Schlüsselperson verlässt das Unternehmen (Wer übernimmt übergangsweise?), neue EU-AI-Act-Anforderung tritt in Kraft (welche Aktivitäten pausieren temporär?), Budget-Kürzung in Q3 (welche Elemente sind unverzichtbar?).
Branchen-Anwendungen
IT-Dienstleistung & Beratung
Ein IT-Beratungsunternehmen (ca. 90 MA) entwickelt seine erste 12-Monats-KI-Roadmap. Q1: Governance-Handbuch (Version 1.0), Pilot Meeting-Protokollierung (5 Berater, 6 Wochen), erste Schulungsgruppe (alle Berater, 45 Teilnehmende). Q2: Go/No-Go Meeting-Protokollierung → Go, Rollout auf alle Berater. Pilot Angebots-KI-Assistent startet (6 Vertriebsberater). Q3: Go/No-Go Angebots-Assistent, Rollout auf alle Vertriebsberater. Pilot Wissens-RAG startet. Erste ROI-Auswertung: Tatsächliche Zeitersparnis bei Meeting-Protokollierung vs. Business Case-Prognose. Q4: Rollout Wissens-RAG, Jahresrückblick, Roadmap Jahr 2. Ressourcen: ca. 55 Personentage für das gesamte Jahr — intern aufgeteilt zwischen IT, KI-Beauftragtem und Fachbereichen.
Industrie & Fertigung
Ein Maschinenbauunternehmen (ca. 500 MA, zwei Werke) startet mit einer realistischen Roadmap, die die Besonderheiten der Fertigungsumgebung berücksichtigt. Q1: Governance-Handbuch mit DSFA für Produktionslinie-KI, Pilot Servicetechniker-Dokumentation (Werk A, 4 Techniker). Besonderheit: IT-Abhängigkeit von SAP-Integration erhöht den Konfigurationsaufwand erheblich — 8 Personentage IT statt der üblichen 3–5. Q2: Go/No-Go Servicetechniker-Dokumentation. Bei Go: Rollout auf alle Servicetechniker Werk A (28 Personen). Parallel: Vorbereitungsphase Werk B (Stakeholder-Analyse, IT-Audit). Q3: Rollout Werk B. Pilot KI-gestützte Qualitätskontrolle-Assistenz (Hochrisiko-Bewertung → Rot-Klassifikation, intensive Compliance-Vorbereitung). Q4: Review Qualitätskontrolle-Pilot. Wenn Go: Freigabeprozess für Rot-Klasse-System etablieren.
Finanzdienstleistung & Versicherung
Ein Versicherungsdienstleister (ca. 300 MA) muss seine Roadmap an regulatorische Besonderheiten anpassen. Q1: Governance-Handbuch mit BaFin-Relevanz-Spalte im Freigabe-Register, Rechtsgutachten zur Einordnung KI-gestützter Kundenberatungs-Assistenten (eigener Compliance-Workshop). Nur ein Pilot in Q1: KI-Zusammenfassung Vertragsdaten (intern, Grün-Klasse). Q2: Go/No-Go → Rollout auf alle Kundenberater. Kein zweiter Pilot in Q2 — regulatorische Klärung für Schadensregulierungs-KI läuft noch. Q3: Nach Regulierungsgutachten: Pilot Schadensregulierungs-Assistent (Gelb-Klasse, intensives Review-Regime). Q4: Entscheidung über Rollout auf Basis von Pilot-Ergebnissen und regulatorischem Feedback. Hauptlernpunkt: In regulierten Branchen ist der Roadmap-Horizont für Compliance-intensive Use Cases länger — das muss realistisch in Q1 eingeplant werden.
Öffentliche Verwaltung
Eine mittelgroße Stadtverwaltung (ca. 400 MA) plant ihre erste KI-Roadmap unter den Bedingungen öffentlich-rechtlicher Governance. Q1: Konzeptbeschluss durch Stadtrat (politische Voraussetzung für jeden weiteren Schritt), Personalratseinbindung (formelle Mitbestimmungsprozedur), Pilot interner Wissens-RAG (IT-Amt, 8 Mitarbeitende). Q2: Stadtrats-Sitzung: Präsentation der Pilot-Ergebnisse und Beschlussvorlage für Rollout. Wenn Beschluss positiv: Rollout Wissens-RAG auf Hauptamt und Personalamt. Q3: Pilot KI-Assistent für Bürgeranfragen (Gelb-Klasse: KI formuliert Antwort-Entwurf, Sachbearbeiterin gibt frei). Q4: Auswertung Bürgeranfragen-Pilot und Entscheidungsvorlage für Stadtrat. Hauptlernpunkt: Politische Entscheidungszyklen (Stadtratssitzungen alle 4–6 Wochen) sind Roadmap-Meilensteine, die von Anfang an eingeplant werden müssen.
Vertiefung — Muster-Roadmap für einen mittelständischen Dienstleister (12 Monate)
Die folgende Muster-Roadmap zeigt, wie eine realistische 12-Monats-KI-Roadmap für einen mittelständischen Dienstleister (ca. 80 Mitarbeitende, IT-Beratung) aussehen kann:
Quartal 1 — Fundament: Use-Case-Spur: Pilot Use Case 1 (Wissens-RAG-Assistent, 6 MA Pilotgruppe) starten; Canvas und Pilot-Design fertiggestellt; Datenqualitäts-Audit abgeschlossen. Governance-Spur: KI-Beauftragter benannt; MVG-Richtlinie verabschiedet; AVV mit zwei genutzten KI-Plattformen abgeschlossen. Schulungs-Spur: Modul 8 Schulung für alle Teamleitungen abgeschlossen; Lunch-and-Learn Piloten-Kickoff. Ressourcen: 12 Personentage Gesamt, 4.000 EUR Lizenz/Setup.
Quartal 2 — Lernen und skalieren: Use-Case-Spur: Pilot Use Case 1 auswerten (Showdown-Meeting); Entscheidung Roll-out oder Pivot; Pilot Use Case 2 (Meeting-Transkription, 10 MA) starten; Canvas Use Case 3 fertigstellen. Governance-Spur: Erstes Governance-Review (45 Min.); Richtlinie V2 auf Basis der Pilot-Erkenntnisse; Betriebsrat informiert und Feedback eingeholt. Schulungs-Spur: Zweite Schulungsgruppe (operativer Staff); Pilot-Showcase nach Woche 6. Ressourcen: 8 Personentage, 3.500 EUR.
Quartal 3 — Roll-out Use Case 1: Use-Case-Spur: Use Case 1 auf alle 80 MA ausrollen (nach Pilot-Erfolg); Pilot Use Case 3 (Angebots-KI-Assistent, 4 MA Vertrieb) starten. Governance-Spur: Zweites Governance-Review; Governance-Handbuch erweitern auf Basis neuer EU-AI-Act-Fristen. Schulungs-Spur: Onboarding-Check-Update für neue Mitarbeitende; Peer-Learning-Gruppen etablieren. Ressourcen: 15 Personentage, 8.000 EUR (Roll-out-Aufwand).
Quartal 4 — Konsolidieren und vorausschauen: Use-Case-Spur: Use Case 2 auswerten und ggf. skalieren; Use Case 3 auswerten; Roadmap Q5–Q8 skizzieren. Governance-Spur: Drittes Governance-Review + Jahres-Review; AI-Act-Fristen Q1/Q2 nächstes Jahr vorbereiten. Schulungs-Spur: Jahresbilanz KI-Kompetenzentwicklung; Fortgeschrittenenformat für Power-User planen. Ressourcen: 10 Personentage, 2.000 EUR.
Jahresgesamtbudget (Schätzung): ca. 45 Personentage + 17.500 EUR externe Kosten = vertretbar für einen 80-MA-Dienstleister, der KI systematisch einführt.
Übung 1 — Eigene Roadmap entwerfen (Post-it-Workshop)
Übung 1 — 12-Monats-KI-Roadmap mit drei Swimlanes
Aufgabe: Erstellen Sie in einer Kleingruppe eine 12-Monats-KI-Roadmap mit drei Swimlanes (Use Cases / Governance / Schulungen) für eine Organisation aus Ihrer Gruppe.
Material: Haftnotizen (drei Farben für drei Swimlanes) oder digitales Board (Miro/Whiteboard), 4-Quadranten-Raster (Q1–Q4).
Schritt-für-Schritt: 1. Erstellen Sie ein Raster mit vier Quartalsspalten und drei Swimlane-Zeilen. 2. Notieren Sie alle bekannten Elemente auf Haftnotizen: Use Cases (inkl. Status), Governance-Meilensteine, Schulungen. 3. Ordnen Sie die Elemente in das Raster ein. Governance-Meilensteine zuerst. 4. Prüfen Sie Abhängigkeiten: Welche Elemente müssen vor anderen stehen? 5. Identifizieren Sie Bottlenecks: Gibt es Quartale, in denen zu viele Initiativen gleichzeitig laufen? 6. Überarbeiten Sie die Roadmap und fügen Sie Ressourcenangaben hinzu (Schätzung in Personentagen).
Bearbeitungszeit: 18 Minuten, dann 5 Minuten Kurzpräsentation in der Gruppe oder allein.
Musterlösung: Eine prototypische Roadmap enthält in Q1 zwei laufende Piloten und die Einrichtung der Governance-Grundstruktur sowie eine erste Schulungsgruppe. In Q2 werden die ersten Piloten ausgewertet und der erfolgreichste in den Rollout überführt; gleichzeitig startet der dritte Pilot. Q3 konsolidiert: Rollout der ersten zwei Use Cases, laufendes Monitoring. Q4 ist für eine strategische Review und die Roadmap-Planung für das Folgejahr reserviert. Ressourcenabschätzung: je Pilot ca. 10–20 Personentage für Implementierung und 3–5 Tage für Dokumentation und Wissenstransfer.
Merksatz
Eine Roadmap ist nicht die Realität — sie ist eine Hypothesis über die Zukunft. Jeder Quartal-Review ist eine Chance, die Hypothese zu aktualisieren. Roadmaps, die nach sechs Monaten unverändert sind, sind keine Zeichen guter Planung — sie sind Zeichen fehlender Lernbereitschaft.
Anwendungshinweis — TOGAF-Kontext für Roadmaps in großen Organisationen
In Organisationen, die Enterprise Architecture mit TOGAF betreiben, ist die KI-Roadmap kein isoliertes Dokument — sie wird in die bestehende IT-Roadmap (TOGAF Architecture Roadmap) integriert. Die relevanten TOGAF-Artefakte:
Architecture Vision (Phase A): Beschreibt das angestrebte KI-Fähigkeitsniveau der Organisation. Entspricht dem 12-Monats-Roadmap-Ziel. Gap Analysis (Phase E / F): Identifiziert den Unterschied zwischen dem aktuellen und dem angestrebten Zustand — entspricht dem Ergebnis aus Potenzialmatrix und Canvas. Implementation Governance (Phase G): Stellt sicher, dass die Umsetzung gemäß den definierten Architekturprinzipien erfolgt — entspricht dem Governance-Modell aus UE 93.
Für Nicht-TOGAF-Organisationen gilt: Die Strukturlogik ist dieselbe — Zielbild definieren, Lücke analysieren, Umsetzung steuern. TOGAF ist nur der formalisierte Rahmen für diesen generischen Ansatz.
Übung 2 — Roadmap-Präsentation für die Geschäftsführung
Übung 2 — 3-minütige Roadmap-Präsentation für nicht-technisches Management
Aufgabe: Bereiten Sie eine 3-minütige Roadmap-Präsentation vor, die für eine nicht-technische Geschäftsführung geeignet ist.
Schritt-für-Schritt: 1. Identifizieren Sie die drei wichtigsten Botschaften, die eine Geschäftsführung aus der Roadmap mitnehmen soll. 2. Formulieren Sie für jede Botschaft einen einzigen klaren Satz. 3. Üben Sie die Präsentation mit einer anderen Person aus der Gruppe (3 Minuten, dann Feedback). 4. Integrieren Sie das Feedback und wiederholen Sie die Präsentation.
Bearbeitungszeit: 12 Minuten (davon 3 Minuten Präsentation + 9 Minuten Vorbereitung/Feedback).
Musterlösung — drei Botschaften: (1) „Wir starten mit zwei Quick-Win-Piloten in Q1, die in sechs Wochen erste messbare Ergebnisse liefern.” (2) „Governance und Datenschutz werden als erstes etabliert — wir schalten keinen Use Case live, bevor diese Grundlage steht.” (3) „Die Roadmap ist so geplant, dass wir Ende des Jahres drei produktive KI-Assistenten betreiben, deren ROI sich nachweisen lässt.”
Cheatsheet — KI-Roadmap: Die wichtigsten Punkte
Vier Quartale: | Quartal | Schwerpunkt | Wichtigste Meilensteine | |—|—|—| | Q1 | Fundament | Governance-Handbuch, Pilot UC1, Schulungsgruppe 1 | | Q2 | Piloten skalieren | Go/No-Go UC1, Rollout UC1, Pilot UC2 | | Q3 | Wachstum | Rollout UC2, ROI-Auswertung, Pilot UC3 | | Q4 | Skalierung | Vollrollout UC3, Multiplikatoren, Jahresrückblick |
Swimlanes: Use Cases / Governance / Schulungen — alle drei sind voneinander abhängig.
Regeln: - Max. 2 Piloten parallel in einem Quartal - Governance-Meilensteine kommen VOR Use-Case-Rollouts - Quartalsweises Review = professionelles Risikomanagement, kein Planungsversagen - Roadmap als Management-Briefing-Dokument einsetzen (eine Seite, drei Botschaften)
Ressourcen-Faustregel: 46–71 Personentage für vollständiges Roadmap-Jahr 1 (80–150 MA Organisation).
Reflexionsfragen
Welche Elemente Ihrer Roadmap sind von externen Faktoren abhängig (z. B. Tool-Verfügbarkeit, regulatorische Änderungen) — und wie gehen Sie mit dieser Unsicherheit um?
Was passiert mit der Roadmap, wenn der erste Pilot in Q1 die Abbruchkriterien auslöst — muss die gesamte Roadmap neu geplant werden?
Wie kommunizieren Sie Roadmap-Abweichungen so, dass das Vertrauen der Geschäftsführung erhalten bleibt?
Welche Governance-Meilensteine sind in Ihrer Branche besonders kritisch — und warum?
Prompt-Vorlage — 12-Monats-KI-Roadmap für eine Unternehmensabteilung erstellen
Prompt für einen KI-Assistenten:
Erstelle eine 12-Monats-KI-Roadmap für die [Abteilung / Organisation, z. B. HR-Abteilung eines mittelständischen Maschinenbauers mit 300 Mitarbeitenden]. Priorisierte Use Cases: [Use Case 1 mit Score und Governance-Klasse], [Use Case 2], [Use Case 3]. Gliedere die Roadmap in vier Quartale mit drei Swimlanes: (1) Use Cases (Pilot → Roll-out → Optimierung), (2) Governance (Handbuch, Reviews, Audit-Meilensteine), (3) Schulungen (Kompetenzaufbau, Zielgruppen, Formate). Integriere Governance-Meilensteine vor den ersten Roll-outs. Füge je Quartal eine Ressourcenschätzung (Personentage und Budget) bei. Markiere drei Abhängigkeiten, die besondere Koordination erfordern.”
Erwartetes Ergebnis: Eine strukturierte 12-Monats-Roadmap in Tabellenform mit drei Swimlanes, vier Quartalen, Governance-Meilensteinen und Ressourcenschätzung — direkt als Vorlage für die nächste Management-Präsentation verwendbar. Hinweis: Roadmaps sind lebende Dokumente — planen Sie quartalsweise Reviews ein. OKRs (Objectives and Key Results) eignen sich gut als Steuerungsrahmen für die Roadmap-Meilensteine: je Quartal ein Objective mit zwei bis drei messbaren Key Results.
Quellen & Weiterlesen
| Quelle | Typ | URL |
| Product School — Roadmap Best Practices für Stakeholder-Kommunikation | Artikel | https://productschool.com/blog/product-management-2/product-roadmap/ |
| Lean Enterprise Institute — Quarterly Roadmap Reviews | Framework | https://www.lean.org/ |
| Bundesministerium für Wirtschaft — Digitalisierungsfahrplan für KMU | Leitfaden | https://www.bmwk.de/ |
| Gartner — AI Hype Cycle: Reife und Timing bei KI-Adoptionsentscheidungen | Studie | https://www.gartner.com/en/information-technology/insights/ai |
Trainer-Hinweise
Übung 3 — OKR-Formulierung für die KI-Roadmap
Übung 3 — OKRs für die 12-Monats-KI-Roadmap formulieren
Aufgabe: Formulieren Sie für jedes Quartal Ihrer KI-Roadmap aus Übung 1 ein OKR-Set (Objective + Key Results) und verknüpfen Sie es mit den Roadmap-Meilensteinen.
Hintergrund: OKR (Objectives and Key Results) ist ein Zielrahmen, der qualitative Ambitionen (Objectives) mit messbaren Ergebnissen (Key Results) verknüpft. Im KI-Roadmap-Kontext sorgen OKRs für Accountability und machen den Fortschritt für die Geschäftsführung transparent.
Schritt-für-Schritt: 1. Formulieren Sie für Q1 ein Objective (ein qualitatives, inspirierendes Quartalsziel). 2. Definieren Sie drei Key Results für Q1 (messbar, zeitgebunden, herausfordernd aber erreichbar). 3. Wiederholen Sie für Q2, Q3 und Q4. 4. Überprüfen Sie: Bauen die OKRs logisch aufeinander auf? (Q1 legt Fundament für Q2, Q2 skaliert was Q1 validiert hat usw.)
Beispiel für Q1: - Objective: „Das KI-Fundament ist gelegt — Governance, Daten und erster Pilot sind bereit.” - Key Result 1: Governance-Handbuch V1 bis 31. März verabschiedet (100 %). - Key Result 2: Datenqualitäts-Audit für Top-2-Use-Cases abgeschlossen. - Key Result 3: Pilotgruppe für Use Case 1 (min. 5 Personen) rekrutiert und ongeboardet.
Erwartetes Ergebnis: Vier OKR-Sets (eines je Quartal), logisch aufgebaut und mit den Roadmap-Meilensteinen aus Übung 1 verknüpft.
Hinweise für AI Champions — So vermitteln Sie das Thema — UE 94
Timing (45 Min): 10 Min Input vier Quartale + Swimlane-Struktur, 5 Min Häufige Fehler + Anpassungsfähigkeit, 18 Min Übung 1 (Post-it-Workshop), 7 Min Übung 2 (Roadmap-Präsentation, vereinfacht), 5 Min Reflexion.
Methodische Empfehlung: Diese UE ist eine Synthese-Einheit — die Teilnehmenden bringen den gesamten Stoff aus UE 85–93 mit. Starten Sie mit der Frage: „Was haben Sie aus dem Modul bisher als erstes umgesetzt — oder was würden Sie als erstes in Q1 setzen?” Die Antworten der Gruppe geben Ihnen Hinweise, wo die mentalen Modelle der Teilnehmenden stehen, und liefern organisches Material für den Workshop.
Häufige Stolpersteine: Teilnehmende wollen zu viel in Q1 packen. Insistieren Sie auf dem Sequenzprinzip: Governance und ein Pilot genügen für Q1. Übung 2 (Roadmap-Präsentation) wird oft unterschätzt — 3 Minuten ist eine echte Herausforderung, die die Kernbotschaft auf das Wesentliche reduziert. Geben Sie nach der ersten Runde konkretes Feedback: Welche Botschaft war am klarsten, welche zu technisch?
Diskussionsfragen für Plenum: „Was würde in Ihrer Organisation passieren, wenn Sie die Roadmap der Geschäftsführung mit einer Swimlane-Gantt-Tabelle präsentieren?” (Antwort: Überinformation, verlorene Aufmerksamkeit.) „Wann ist es legitim, von der Roadmap abzuweichen?” — Die Diskussion sollte zum Ergebnis kommen: immer, wenn neue Erkenntnisse die Annahmen der Roadmap falsifizieren — aber mit transparenter Dokumentation und Go/No-Go-Beschluss.
Tafelbild-Vorschlag: 4-Spalten-Raster (Q1–Q4) × 3-Zeilen-Swimlanes, ausgefüllt mit exemplarischen Post-its in drei Farben. Einfach, visuell klar, und die Teilnehmenden können ihr eigenes Ergebnis direkt daneben halten.
Differenzierung Power-User ↔ Einsteiger: Einsteiger: Fokus auf vier Quartale und die Sequenzregel (Governance vor Rollout). Power-User: Was-wenn-Szenarien und Ressourcenplanung in Personentagen — wie präsentiert man das realistische Budget ohne die Geschäftsführung abzuschrecken?
Materialliste: Haftnotizen in drei Farben (je 20 Stück), 4×3-Raster auf A1 (oder Miro-Board-Template), Roadmap-Template für Übung 2 (einseitige Quartals-Kachel-Vorlage).
Übergang zur nächsten UE: „Die Roadmap zeigt, was wann passiert. Aber die Geschäftsführung stellt eine weitere Frage: Was kostet das — und wann amortisiert sich die Investition? Das ist die Business-Case-Frage aus UE 95.”
Tipp zur Branchenauswahl: In regulierten Branchen (Finanzen, öffentliche Verwaltung) müssen politische oder regulatorische Entscheidungszyklen als Roadmap-Meilensteine eingeplant werden — das verschiebt typischerweise den Start von Use Case 2 und 3. In IT-Beratungsunternehmen ist die Adoption-Geschwindigkeit höher — hier kann die Roadmap ambitionierter geplant werden. In der Industrie sind IT-Integrationsaufwände (SAP, MES) oft der größte Unsicherheitsfaktor in der Ressourcenplanung.
Quelle: KI-Wissensbasis von MindsMachines, Edition Juni 2026. Vollständige Fassung mit Anhängen und Musterlösungen: als PDF anfordern.
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