Lernziele
Sie beschreiben die drei Beschaffungsstrategien (Build, Buy, Configure) mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen und ordnen diese einer Einschätzung der technischen Kapazität und strategischen Bedeutung zu.
Sie wenden eine acht-kriterielle Entscheidungsmatrix auf einen konkreten Use Case an und dokumentieren eine begründete Build-/Buy-/Configure-Empfehlung.
Sie erkennen Datenschutz und Datensouveränität als potenzielle K.-o.-Kriterien und identifizieren DSGVO-konforme Alternativen für US-basierte KI-Plattformen.
Sie unterscheiden hybride Strategien (z. B. Configure als Pilot → Buy bei Skalierung) von reinen Strategien und bewerten die Sinnhaftigkeit hybrider Ansätze.
Sie identifizieren Vendor-Lock-in-Risiken und benennen konkrete Maßnahmen zu deren Minimierung.
Auf einen Blick
| Dauer | 45 Min |
| Methodik | Input + Fallarbeit in Kleingruppen |
| Vorwissen | UE 87 (Canvas), UE 88 (Priorisierung) |
| AI-Act-Kompetenz | Anwendungskompetenz / Risiko-Bewusstsein |
| Querverweise | UE 87–88 (Voraussetzung), UE 90 (Vertiefung: Datenqualität), UE 93 (Anwendung: Governance) |
Worum geht es? — Der didaktische Einstieg
Sie haben einen priorisierten Use Case mit fertigem Canvas. Jetzt beginnt die Implementierungsplanung — und die erste strategische Frage lautet: Die zentrale strategische Frage lautet: Wird eine fertige Lösung eingekauft, selbst aufgebaut oder eine vorhandene KI-Plattform konfiguriert?
Diese Frage klingt technisch, ist aber fundamental strategisch. Die falsche Entscheidung kostet nicht nur Geld, sondern bindet Ressourcen für Monate oder Jahre. Eine Organisation, die eine proprietäre KI-Lösung kauft, deren Daten auf US-Servern liegen, kann nach dem Erkennen dieses Problems nicht einfach wechseln — alle Workflows, alle Integrationen, alle Mitarbeitenden-Gewohnheiten hängen an dieser Plattform.
Für die meisten mittelständischen Nicht-Tech-Unternehmen ohne große ML-Engineering-Kapazität ist die strategisch relevante Entscheidung zwischen Buy und Configure — und innerhalb dieser Entscheidung ist Datenschutz häufig das K.-o.-Kriterium. Das gilt branchenübergreifend.
Lerntext — Theorie und Konzepte
Die drei Beschaffungsstrategien
Build — Eigenentwicklung: Ein eigenes KI-System wird von Grund auf entwickelt. Wann sinnvoll: Bei echten Alleinstellungsmerkmalen, die kein Standardprodukt abdeckt; bei Prozessen, die proprietäres Know-how kodifizieren; bei ausreichend interner ML-Engineering-Kapazität. Wann nicht sinnvoll: Für die meisten mittelständischen Nicht-Tech-Unternehmen in einer ersten KI-Phase — Build bedeutet mehrere Personenmonate Entwicklung, laufende Wartung und eigene Sicherheitsverantwortung.
Buy — SaaS-Lösung kaufen: Fertige, domänenspezifische KI-Produkte werden als Software-as-a-Service lizenziert. Beispiele: Fireflies.ai oder Otter.ai für Meeting-Transkription, Findem oder HireVue für Recruiting-Screening. Wann sinnvoll: Wenn ein Standardproblem gelöst werden soll und kein differenzierender Vorteil durch eigene Konfiguration entsteht; wenn Time-to-Value kritisch ist. Risiken: Vendor-Lock-in, Anpassungsgrenzen, Datenschutz (wo werden die Daten gespeichert?).
Configure — No-Code/Low-Code konfigurieren: Vorhandene KI-Infrastruktur (Custom GPTs, Copilot Studio Agents, n8n-Workflows, Power Automate) wird für spezifische Prozesse ohne wesentlichen Programmieraufwand konfiguriert. Stärken: Mehr Kontrolle über Konfiguration und Datenhaltung als Buy, deutlich weniger Aufwand als Build. Rasche Iteration möglich.
Merksatz
Die hybride Configure-then-Buy-Strategie ist oft die pragmatischste Wahl: Configure als Pilot (schnelle Validierung in Tagen), dann Buy nach nachgewiesenem ROI (skalierbare Enterprise-Lösung). Das reduziert Investitionsrisiko und verbessert die Verhandlungsposition gegenüber Anbietern.
Die acht Entscheidungsdimensionen
Eine strukturierte Build-Buy-Configure-Entscheidung berücksichtigt acht Kriterien, auf denen jede Strategie mit 1 (schlecht geeignet) bis 3 (gut geeignet) bewertet wird:
Strategische Differenzierung: Ist der Prozess ein Alleinstellungsmerkmal?
Datenschutz & Datensouveränität: Dürfen die Daten das Unternehmen verlassen?
Anpassbarkeitsanforderung: Wie spezifisch ist der Prozess?
Time-to-Value: Wie schnell muss eine Lösung live sein?
Technische Kapazität intern: Hat das Team die notwendigen Fähigkeiten?
Laufende Betriebskosten (3-Jahres-Perspektive): Was kostet jede Strategie langfristig?
Integrationstiefe: Wie tief muss die Lösung in bestehende Systeme eingebunden sein?
Skalierbarkeit: Wächst die Lösung mit der Organisation mit?
Hybride Strategien und Vendor-Lock-in
Vendor-Lock-in-Risiken lassen sich durch drei Maßnahmen minimieren: Erstens Datenmobilität sichern — eigene Daten müssen jederzeit in einem Standardformat exportierbar sein. Zweitens API-Abstraktion — eine eigene Schicht zwischen KI-Plattform und Unternehmensprozessen. Drittens Vertragsklauseln verhandeln — Ausstiegsrechte, Datenübergabe und Kündigungsfristen mitdenken.

Abb. 89.1 — Entscheidungsbaum Build vs. Buy vs. Configure mit Datenschutz-Verzweigung
Vertiefung — Datenschutz-Risikolandkarte und Lebenszykluskosten
Eine strukturierte Übersicht der gängigsten KI-Plattformen nach Datenschutz-Risikoklassen:
Risikoklasse Grün (EU-konforme Datenhaltung, AVV vorhanden): - Microsoft Azure OpenAI Service (EU-Region) — DSGVO-konform mit AVV, EU-Rechenzentren wählbar - Langdock — Deutsches Unternehmen, DSGVO-native Plattform, kein Training auf Kundendaten - Zive — EU-konformer KI-Workplace, AVV verfügbar - n8n self-hosted (auf eigener EU-Infrastruktur) — vollständige Datensouveränität
Risikoklasse Gelb (US-Anbieter mit EU-Datenschutz-Mechanismen, Restrisiko): - ChatGPT Team/Enterprise — OpenAI mit AVV, kein Training auf Enterprise-Daten, aber US-Unternehmensrecht - Google Cloud Vertex AI (EU-Region) — AVV vorhanden, EU-Serverstandort wählbar - Microsoft Copilot (M365) — AVV durch Microsoft-Produktvertrag, EU Data Boundary verfügbar
Risikoklasse Rot (Kein EU-Serverstandort oder kein klarer AVV): - ChatGPT Free/Plus (Privatnutzung) — kein Business-AVV, Training auf Eingaben möglich - Diverse neue KI-Tools ohne DSGVO-Dokumentation
Warnung — Datenschutz als K.-o.-Kriterium bei der Plattformwahl
Für jede Organisation, die personenbezogene oder vertrauliche Daten verarbeitet, ist die Datenschutz-Risikoklasse der genutzten KI-Plattform keine optionale Prüfung — sie ist eine rechtliche Verpflichtung. Der Einsatz einer Risikoklasse-Rot-Plattform für kundenbezogene oder personalbezogene Daten kann Bußgelder nach Art. 83 DSGVO in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes auslösen. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem KI-Anbieter ist in jedem Fall Pflicht — nicht nur Empfehlung. Prüfen Sie vor jeder neuen KI-Plattformeinführung: (1) Serverstandort, (2) AVV-Verfügbarkeit, (3) Training-Opt-out-Option, (4) Datenexportierbarkeit.
Ein häufiger Fehler bei Build-vs-Buy-Entscheidungen: nur die kurzfristigen Kosten werden verglichen. Die richtige Analyseeinheit ist der 3-Jahres-Gesamtvergleich. Beispiel Meeting-Protokollierungs-Tool: Buy-Option (EU-konformes SaaS, 15 €/Nutzer/Monat für 50 aktive Nutzer): Jahr 1 = 11.000 €, Jahre 2–3 = 18.000 € → Gesamt 3 Jahre: 29.000 €. Configure-Option (vorhandene M365-Infrastruktur + Azure AI Speech): Jahr 1 = 1.700 €, Jahre 2–3 = 3.000 € → Gesamt 3 Jahre: 4.700 €. Die Configure-Option ist deutlich günstiger — aber sie erfordert interne Konfigurationskompetenz.
Branchen-Anwendungen
IT-Dienstleistung & Beratung
Für ein IT-Beratungshaus ergeben drei typische Use Cases unterschiedliche Empfehlungen: Angebots-KI-Assistent: Configure (EU-konforme Plattform). Begründung: Kundendaten und Preislisten sind DSGVO-relevant → keine US-Plattform ohne EU-Datenhaltung. Anpassungsanforderung hoch (unternehmensspezifische Angebotsstruktur). Pilot innerhalb einer Woche möglich. Interner Wissens-RAG: Configure (Azure AI Search oder n8n mit self-hosted-Vektordatenbank). Begründung: Interne Projektdokumentationen sind vertraulich → maximale Datensouveränität. Meeting-Protokollierung: Buy (EU-konformer Anbieter) oder Configure (Microsoft Teams + Power Automate + Azure AI Speech, falls M365-Lizenz vorhanden). Buy ist vertretbar, weil Meeting-Transkription kein strategisches Alleinstellungsmerkmal darstellt — vorausgesetzt, das Datenschutz-Assessment ergibt grünes Licht.
Industrie & Fertigung
In der Fertigung bestimmt die Art der Produktionsdaten die Entscheidung: Qualitätskontrolle mit Bilderkennung: Buy (spezialisierte Computer-Vision-SaaS-Lösung) — weil der Aufwand für eine Eigenentwicklung (Datensammlung, Modelltraining, Deployment) die Kapazitäten der meisten Nicht-Tech-Produktionsunternehmen übersteigt. Kritischer Punkt: Produktionsbilder enthalten keine personenbezogenen Daten → Datenschutz-Klasse Grün möglich. Predictive Maintenance: Build oder Configure (mit eigenem Maschinenpark-Datensatz) — weil die Maschinen-Telemetriedaten das strategische Differenzierungsmerkmal sind. Kein Anbieter kennt die spezifische Kombination aus Maschinentyp, Produktionsumgebung und Ausfallhistorie besser als die interne IT. Wartungsassistent: Configure (RAG-System auf eigener Infrastruktur) — weil Wartungsanleitungen und Fehlerbeschreibungen proprietäres Know-how darstellen und nicht auf Drittanbieter-Servern liegen sollten.
Finanzdienstleistung & Versicherung
Im Finanzsektor ist die Datenschutz-Dimension besonders kritisch. Dokumentenprüfungs-KI: Configure (Azure EU-Region oder eigene on-premise-Lösung) — Kundendokumente (Einkommensnachweise, Kontoauszüge) sind hochsensibel. Kundenservice-Chatbot für Standardanfragen: Buy (EU-konformer Anbieter mit AVV) — Standardanfragen enthalten in der Regel keine hochsensiblen Daten, und ein spezialisierter Anbieter bietet bessere Conversational-AI-Qualität als eine selbst konfigurierte Lösung. Compliance-Dokumentation: Configure oder Build — weil Compliance-Dokumentation oft hochspezifische regulatorische Anforderungen hat, die kein Standardprodukt vollständig abdeckt. Eine Vendor-Due-Diligence für jeden Finanzsektor-Use-Case umfasst: Finanzaufsicht-Konformität (BaFin-konforme Cloud-Nutzung?), Prüfbarkeit durch externe Revisoren, Auditierbarkeit der KI-Entscheidungen.
Öffentliche Verwaltung
In Behörden ist die Beschaffung durch öffentliches Vergaberecht (VOL/A, VGV) geregelt — was die Entscheidungslogik erheblich beeinflusst. FAQ-Assistent für Bürgeranfragen: Buy über öffentliche Ausschreibung (falls Auftragswert über Schwellenwert) — oder Configure über bestehende Rahmenverträge des Bundes (z. B. über die Bundesverwaltung IT-Beschaffung oder Vergabeplattformen der Länder). Dokumentenmanagement-KI: Configure auf Basis bestehender Behördeninfrastruktur (häufig Microsoft oder SAP) — weil Behördendokumente besondere Anforderungen an Vertraulichkeit, Aufbewahrungsfristen und Revisionssicherheit haben. Entscheidungsunterstützungs-KI: Höchste Vorsicht — KI-Systeme, die Verwaltungsentscheidungen vorbereiten, unterliegen dem EU AI Act als Hochrisiko-KI-System. Build oder Configure unter vollständiger interner Kontrolle, mit expliziter DSFA und politischer Legitimation.
Übung 1 — Entscheidungsmatrix für zwei Use Cases ausfüllen
Übung 1 — Entscheidungsmatrix Build / Buy / Configure
Aufgabe: Wählen Sie zwei Use Cases aus Ihrem Canvas und bewerten Sie diese auf den acht Entscheidungsdimensionen.
Material: Entscheidungsmatrix-Vorlage (8 Zeilen × 3 Spalten + Gewichtungsspalte).
Schritt-für-Schritt: 1. Übertragen Sie die acht Kriterien in die Zeilenheader der Matrix. 2. Definieren Sie Gewichte für die acht Kriterien (Summe = 100 %). 3. Bewerten Sie Build (1–3), Buy (1–3), Configure (1–3) für jedes Kriterium. 4. Berechnen Sie die gewichtete Gesamtpunktzahl für jede Strategie. 5. Formulieren Sie eine Empfehlung mit drei Begründungspunkten. 6. Identifizieren Sie das stärkste K.-o.-Kriterium (Datenschutz oder Kapazität).
Erwartetes Ergebnis: Ausgefüllte Entscheidungsmatrix für zwei Use Cases mit je einer begründeten Empfehlung.
Musterlösung — Use Case Meeting-Protokollierung:
| Kriterium | Gewicht | Build | Buy | Configure |
| Strateg. Differenzierung | 5 % | 1 | 3 | 2 |
| Datenschutz | 25 % | 3 | 2* | 3 |
| Anpassbarkeit | 15 % | 3 | 2 | 3 |
| Time-to-Value | 20 % | 1 | 3 | 3 |
| Technische Kapazität | 15 % | 1 | 3 | 2 |
| Betriebskosten | 10 % | 2 | 2 | 3 |
| Integrationstiefe | 5 % | 3 | 2 | 3 |
| Skalierbarkeit | 5 % | 3 | 3 | 2 |
| Gesamtpunktzahl | 1,9 | 2,5 | 2,8 |
*Bei EU-konformer Buy-Option steigt die Datenschutz-Bewertung auf 3.
Empfehlung: Configure (2,8 Punkte) — mit der Einschränkung, dass Buy bei EU-konformer Lösung und begrenzter interner IT-Kapazität gleichwertig ist.
Merksatz
Die Frage “Welche KI-Plattform ist die beste?” hat keine universelle Antwort. Die richtige Frage lautet: “Welche Plattform ist für diesen Use Case in unserem Kontext — technisch, regulatorisch und strategisch — die beste?” Diese Spezifität verhindert sowohl reflexiven Tool-Enthusiasmus als auch reflexive Tool-Ablehnung.
Anwendungshinweis — Vendor-Due-Diligence in fünf Schritten
Wenn eine konkrete Plattform in die engere Wahl gekommen ist, empfiehlt sich eine strukturierte Vendor-Due-Diligence:
Schritt 1 — Serverstandort verifizieren: Wo liegen die Daten tatsächlich? (Nicht die Marketingaussage — die Vertragsklausel.) Schritt 2 — AVV prüfen: Existiert ein DSGVO-konformer Auftragsverarbeitungsvertrag? Ist er unterschrieben oder nur verfügbar? Schritt 3 — Training-Opt-out klären: Werden Ihre Eingaben für das Training der KI-Modelle genutzt? Bei Business-Tarifen typischerweise nein — aber im Vertrag prüfen. Schritt 4 — Datenexport-Funktion testen: Können Ihre Daten jederzeit in einem standardisierten Format (JSON, CSV) exportiert werden? Testen Sie das vor der Entscheidung. Schritt 5 — Referenzen aus dem eigenen Sektor einholen: Hat der Anbieter nachweisliche Erfahrung mit Unternehmen ähnlicher Größe und Branche? DSGVO-Konformität ist im Finanzsektor anders zu beurteilen als im Bildungsbereich.
Übung 2 — DSGVO-Audit für eine Plattformwahl
Übung 2 — Vereinfachtes DSGVO-Audit
Aufgabe: Wählen Sie eine konkrete KI-Plattform (z. B. ChatGPT Team, Copilot Studio, n8n Cloud, Langdock) und führen Sie ein vereinfachtes DSGVO-Audit für deren Einsatz durch.
Schritt-für-Schritt: 1. Identifizieren Sie: Welche personenbezogenen oder vertraulichen Daten würden verarbeitet? 2. Prüfen Sie: In welchem Land werden die Daten gespeichert? 3. Prüfen Sie: Gibt es einen DSGVO-konformen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)? 4. Prüfen Sie: Werden Ihre Daten für das Training der KI-Modelle verwendet? 5. Bewerten Sie das Risiko: Grün / Gelb / Rot. 6. Formulieren Sie ggf. Maßnahmen zur Risikominimierung.
Erwartetes Ergebnis: Ein einseitiges DSGVO-Audit-Memo mit Risikoklassifikation und Maßnahmenempfehlung.
Musterlösung — ChatGPT Team: Datenspeicherung: US-Server (OpenAI LLC). Training: Teams-Daten werden lt. OpenAI-DPA nicht für Training verwendet (Stand 2024, regelmäßig prüfen). AVV vorhanden: Ja. Risikoklasse: Gelb. Maßnahmen: Keine Kundennamen, Personaldaten oder vertrauliche Informationen in Prompts einfügen. Interne Richtlinie definieren, welche Datenkategorien nicht eingegeben werden dürfen.
Cheatsheet — Die wichtigsten Punkte
Build: Strategisches Alleinstellungsmerkmal → Kapazitäts- und Wartungsaufwand
Buy: Standardproblem, kein Differenzierungsbedarf → Vendor-Lock-in, Datenschutz prüfen
Configure: Meiste mittelständische Use Cases → Skalierungsgrenzen beachten
Datenschutz als K.-o.-Kriterium: US-Server + sensible Daten = immer DSGVO-Prüfung
Hybrid-Strategie: Configure als Pilot → Buy nach validiertem ROI
Vendor-Lock-in: Datenportabilität, API-Abstraktion, Vertragsklauseln verhandeln
EU-konforme Configure-Optionen: n8n (self-hosted), Azure EU-Region, Langdock, Zive
AVV-Pflicht: Immer einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem KI-Anbieter abschließen
Reflexionsfragen
Wann wäre es sinnvoll, von der Configure-Strategie zur Build-Strategie zu wechseln — und welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein?
Welche digitalen Tools nutzen Sie bereits in Ihrem Arbeitsalltag, die personenbezogene Daten verarbeiten — und haben Sie einen AVV mit diesen Anbietern?
Wie erklären Sie der Geschäftsführung, dass die günstigste KI-Lösung rechtlich nicht einsetzbar ist?
Prompt-Vorlage — Build-Buy-Configure-Entscheidung strukturiert analysieren
Prompt für einen KI-Assistenten:
Ich möchte eine KI-Lösung für folgenden Use Case einführen: [Use Case beschreiben]. Unser Unternehmen: [Größe, Branche, interne IT-Kapazität]. Randbedingungen: [z. B. DSGVO-kritische Kundendaten / M365-Infrastruktur vorhanden / Budget X€ / Time-to-Value 8 Wochen]. Analysiere die drei Beschaffungsstrategien (Build, Buy, Configure) anhand von acht Kriterien: strategische Differenzierung, Datenschutz / Datensouveränität, Anpassbarkeit, Time-to-Value, technische Kapazität intern, 3-Jahres-Betriebskosten, Integrationstiefe, Skalierbarkeit. Bewerte jede Strategie mit 1–3 je Kriterium, berechne einen Gesamtscore und empfiehl die beste Strategie. Benenne das ausschlaggebende K.-o.-Kriterium.”
Erwartetes Ergebnis: Eine strukturierte Entscheidungsmatrix mit Gewichtungen, Gesamtscores und einer klaren Empfehlung — inklusive Hinweis auf das ausschlaggebende K.-o.-Kriterium. Hinweis: Prüfen Sie bei jedem KI-Tool-Anbieter vor der Entscheidung: (1) Serverstandort, (2) AVV-Verfügbarkeit, (3) Training-Opt-out-Option, (4) Datenexportierbarkeit.
Quellen & Weiterlesen
| Quelle | Typ | URL |
| Datenschutzkonferenz — DSK-Orientierungshilfe KI-Dienste | Behördliche Info | https://www.datenschutzkonferenz-online.de/ |
| n8n Documentation — Self-Hosting Guide (EU-Datenschutz) | Tool-Dokumentation | https://docs.n8n.io/hosting/ |
| Langdock — DSGVO-konforme KI-Plattform | Hersteller-Dok. | https://www.langdock.com/ |
| Bitkom — KI-Beschaffung im Mittelstand | Behördliche Info | https://www.bitkom.org/Themen/Technologien-Software/Kuenstliche-Intelligenz |
| EU AI Act — Volltext | Primärrecht | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32024R1689 |
Übung 3 — Vergleich Make-vs-Buy-Optionen für ein Wissensmanagement-System mit RAG
Übung 3 — Make-vs-Buy für RAG-Wissensmanagement
Aufgabe: Analysieren Sie die Make-vs-Buy-Entscheidung für ein RAG-basiertes Wissensmanagement-System in Ihrer Organisation.
Hintergrund: Ein RAG-System (Retrieval-Augmented Generation) ermöglicht es, interne Dokumente per Sprachsuche zugänglich zu machen. Mitarbeitende können in natürlicher Sprache Fragen stellen und erhalten Antworten, die direkt aus den eigenen Unternehmensdokumenten generiert werden.
Drei Optionen analysieren: - Option A (Build): Open-Source-RAG-Stack (z. B. LlamaIndex + Ollama + Chroma) auf eigener Infrastruktur — vollständige Datensouveränität, hoher Engineering-Aufwand. - Option B (Buy): SaaS-Wissensmanagement mit KI-Suche (z. B. Notion AI, Guru, Tettra) — schnell einsatzbereit, aber Daten auf externen Servern. - Option C (Configure): Azure AI Search + SharePoint/Confluence + Azure OpenAI (EU-Region) — für M365-Organisationen pragmatisch, DSGVO-konform mit AVV.
Schritt-für-Schritt: 1. Bewerten Sie alle drei Optionen auf den acht Entscheidungsdimensionen (1–3 je Dimension). 2. Identifizieren Sie das K.-o.-Kriterium für Ihre Organisation. 3. Schätzen Sie die 3-Jahres-Gesamtkosten für die präferierte Option. 4. Formulieren Sie eine begründete Empfehlung in drei Sätzen.
Erwartetes Ergebnis: Eine ausgefüllte Entscheidungsmatrix und eine dreisätzige Empfehlung mit K.-o.-Kriterium und Kostenindikation.
Hinweise für AI Champions — So vermitteln Sie das Thema — UE 89
Timing (45 Min): 5 Min Einstieg (Kostenfalle proprietärer KI-Lösung), 15 Min Lerntext (drei Strategien + acht Dimensionen), 18 Min Übung 1 (Entscheidungsmatrix), 5 Min Diskussion Übung 2 (DSGVO-Audit), 2 Min Puffer.
Methodische Empfehlung: Der Datenschutz-Block wirkt auf viele Teilnehmende zunächst trocken — verankern Sie ihn mit einem konkreten Beispiel: Was passiert, wenn Kundendaten versehentlich in ChatGPT Free eingegeben werden? Das macht die Relevanz sofort greifbar. Nutzen Sie die Datenschutz-Risikolandkarte als visuellen Anker für die gesamte UE.
Häufige Stolpersteine: (a) Teilnehmende wollen sofort eine konkrete Plattform empfehlen — auf den Prozess (Entscheidungsmatrix zuerst) bestehen. (b) Datenschutz wird als Hürde wahrgenommen, nicht als Qualitätsmerkmal — Framing: DSGVO-Konformität als Vertrauensbeweis gegenüber Kunden und Mitarbeitenden. (c) Die 3-Jahres-Kostenrechnung überrascht oft — den Rechenweg live durchführen.
Diskussionsfragen für Plenum: (1) „Welche KI-Tools nutzen Sie bereits privat, die Sie noch nie auf DSGVO geprüft haben?” (2) „Was wäre die Konsequenz, wenn Ihre Organisation morgen eine Behördenprüfung hinsichtlich KI-Datenschutz hätte?”
Tafelbild-Vorschlag: Drei-Spalten-Tabelle Build | Buy | Configure mit je drei Stichpunkten zu Wann sinnvoll / Hauptrisiko / Typisches Beispiel. Diese Übersicht bleibt für die gesamte Übungsphase sichtbar.
Differenzierung Power-User ↔ Einsteiger: Power-User recherchieren eigenständig die AVV-Verfügbarkeit eines konkreten Tools (Langdock, Zive oder n8n Cloud) und präsentieren das Ergebnis. Einsteiger konzentrieren sich auf die Entscheidungsmatrix für ihre beiden Use Cases.
Materialliste: Entscheidungsmatrix-Vorlage, DSGVO-Risikolandkarte (ausgedruckt oder Folie), Rechner für 3-Jahres-Kostenvergleich.
Übergang zur nächsten UE: „Sie wissen jetzt, welche Plattform für Ihren Use Case infrage kommt. In UE 90 stellen wir die ehrlichste Frage des Projekts: Wie gut sind die Daten wirklich, die diese KI braucht?”
Tipp zur Branchenauswahl: Für Finanzdienstleistungs-Kunden ist der DSGVO-Block besonders relevant — ergänzen Sie die Plattform-Übersicht um spezifische Anforderungen der BaFin an Cloud-Nutzung (BAIT / VAIT). Für Verwaltungs-Kunden: Vergaberecht als zusätzliche Einschränkung erwähnen.
Quelle: KI-Wissensbasis von MindsMachines, Edition Juni 2026. Vollständige Fassung mit Anhängen und Musterlösungen: als PDF anfordern.
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