KI-AkademieModul 10 — Transfer, Roadmap und Roll-out

Wissensbasis · UE 113 von 120

Präsentations- und Kommunikationstechniken

Modul 10 — Transfer, Roadmap und Roll-out ca. 38 Min. Lesezeit

Lernziele

Sie können die Pyramid-Principle-Methode auf eine KI-Projektpräsentation anwenden und Ihre Kernbotschaft in einem Satz formulieren.

Sie kennen drei Visualisierungstypen für KI-Konzepte und können diese situationsgerecht einsetzen.

Sie haben eine 3-minütige Pitch-Präsentation zu Ihrem Projektarbeit-Use-Case gehalten und strukturiertes Peer-Feedback erhalten.

Sie sind auf die häufigsten Kolloquiumsfragen in UE 119 vorbereitet und kennen die empfohlene Antwortstruktur.

Sie können KI-Konzepte für nicht-technische Entscheider verständlich kommunizieren.

Sie kennen die häufigsten Präsentationsfehler und können diese in Ihrem Vortrag vermeiden.

Auf einen Blick

Dauer45 Min
MethodikInput + Übung (3-Minuten-Pitch mit Peer-Feedback)
VorwissenUE 112 (Prototyp und Evaluation abgeschlossen); allgemeine Präsentationserfahrung
AI-Act-KompetenzGrundverständnis + Anwendungskompetenz (Kommunikation und Transfer)
QuerverweiseUE 112 (Voraussetzung: Projektarbeit-Rohentwurf), UE 119 (Anwendung: Projektpräsentation)

Worum geht es? — Der didaktische Einstieg

Die Projektarbeit ist weitgehend fertiggestellt. Jetzt fehlt eine Kompetenz, die bisher wenig explizit adressiert wurde: die Fähigkeit, KI-Projekte überzeugend zu kommunizieren. Das klingt weich, ist aber entscheidend. Denn die beste KI-Lösung, die in einem schlecht präsentierten Bericht vergraben ist oder in einem konfusen Vortrag endet, findet keine Unterstützer — weder bei der Geschäftsführung, noch bei Kolleginnen und Kollegen, noch bei der Prüfungskommission.

Nach dieser Schulung werden Sie Brückenbauerinnen und Brückenbauer zwischen KI-Wissen und Unternehmensrealität sein. Sie werden KI-Projekte vorschlagen müssen, KI-Lösungen erklären und Kolleginnen und Kollegen überzeugen, die skeptisch sind. Alle drei Situationen verlangen dieselbe Grundfähigkeit: klar, strukturiert und auf den Punkt zu kommunizieren.

Lerntext — Theorie und Konzepte

Das Pyramid Principle — Struktur für überzeugende Kommunikation

Das Pyramid Principle wurde von Barbara Minto entwickelt und von McKinsey & Company popularisiert. Die Kernidee: Die wichtigste Aussage kommt zuerst, dann folgen die Begründungen. Die Pyramid-Struktur für eine KI-Projektpräsentation:

These (Kernbotschaft, 1 Satz): Direkte Hauptaussage

Drei Hauptargumente (je 1–2 Sätze): Zeitersparnis / Qualitätsverbesserung / geringes Implementierungsrisiko

Belege: Prototyp-Ergebnisse, Zeitvergleich, Wirtschaftlichkeitsrechnung

Empfehlung: Konkreter nächster Schritt mit Datum

Diese Struktur kann in 3 Minuten (Pitch), 10 Minuten (Projektpräsentation) oder 30 Minuten (Boardpräsentation) angewendet werden.

Diagramm aus der KI-Wissensbasis

Abb. 113.1 — Pyramid Principle: Vom Kernargument zur Empfehlung

Merksatz

These in einem Satz — wenn Sie drei Sätze brauchen, ist die These noch unklar. Pyramid Principle: Wichtigste Aussage ZUERST — dann Begründung. Demo immer zeigen statt beschreiben — Screenshots überzeugen mehr als jede Beschreibung.

Drei Visualisierungstypen für KI-Projekte

Typ 1 — Prozessfluss-Diagramm (Vorher/Nachher): Zeigt, wie der bestehende Prozess läuft und wie er mit KI aussieht. Werkzeuge: PowerPoint SmartArt, Miro, Lucidchart, draw.io.

Typ 2 — Screenshot-Demo: Der direkte Beweis. Ein Screenshot der Prototyp-Interaktion überzeugt mehr als jede Beschreibung. Wann immer möglich: zeigen statt beschreiben.

Typ 3 — KPI-Vergleich (Jetzt vs. Mit KI): Eine einfache Tabelle oder ein Balkendiagramm mit 2–3 Kennzahlen zeigt den messbaren Unterschied.

Faustregel für Folien: Jede Folie hat genau eine Kernaussage. Keine Folie mit mehr als 30 Wörtern Fließtext.

Merksatz

Kolloquium: Antworten in Pyramid-Struktur — These zuerst, dann Begründung in 2–3 Punkten. „Was würden Sie anders machen?” — niemals „nichts”; immer ein echtes Lernfeld nennen. Zeitüberschreitung kostet Punkte — dreimal mit Stoppuhr üben.

Vorbereitung auf das Kolloquium

Das Kolloquium in UE 119 dauert 5 Minuten und besteht aus 2–3 Fragen der Prüfungskommission:

FrageAntwort-Strategie
„Welche DSGVO-Risiken haben Sie identifiziert?”These: Hauptrisiko benennen. Begründung: 2–3 konkrete Maßnahmen.
„Wie würden Sie den Erfolg messen?”KPI direkt nennen. Messmethode erklären. Zeitrahmen angeben.
„Sie haben das System als geringes Risiko eingestuft — wann würde es Hochrisiko?”Bedingung benennen (z. B. automatisierte HR-Entscheidung). AI Act Anhang III referenzieren.
„Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?”Konkrete Schwäche nennen. Lösung beschreiben. Zeigt Selbstreflexion.
„Welche Stakeholder müssten Sie überzeugen?”Stakeholder-Gruppe nennen. Argument für diese Gruppe. Nächster Schritt.

Vertiefung — Typische Präsentationsfehler und non-verbale Kommunikation

Fehler 1 — Die Technologie-First-Falle: „Wir nutzen ein Large Language Model mit RAG-Architektur…” Kein nicht-technischer Zuhörer versteht das. Beginnen Sie immer mit dem Problem und dem Nutzen.

Fehler 2 — Die Fehlendes-Problem-Präsentation: „KI kann so vieles — ich habe einen Assistenten gebaut.” Ohne klares Problem gibt es keine Begründung für die Lösung.

Fehler 3 — Die Zu-viele-Informationen-Folie: Eine Folie mit 200 Wörtern ist eine Textwand. Wenn Sie eine Folie vorlesen, haben Sie die Präsentation verloren.

Fehler 4 — Die fehlende Empfehlung: Viele Präsentationen enden mit „Das waren meine Ergebnisse.” Die Prüfungskommission wartet auf: „Und was empfehlen Sie jetzt?”

Non-verbale Aspekte: - Augenkontakt: Nicht an die Folien sprechen, sondern mit den Menschen im Raum - Tempo: Geplante Pausen nach Kernaussagen geben dem Publikum Zeit zum Verarbeiten - Körperhaltung: Aufrechte Haltung signalisiert Kompetenz

Sprachliche Brücken:

FachbegriffErklärung für nicht-technisches Publikum
Large Language Model„Ein KI-Programm, das Texte versteht und generiert”
RAG-System„Ein Assistent, der in Echtzeit in eigenen Dokumenten nachschlägt”
Systemanweisung„Die Anleitung, die wir dem KI-Assistenten geben”
Human-in-the-Loop„Der Mensch prüft jeden KI-Output vor der Verwendung”
Halluzination„Wenn die KI mit großer Überzeugung etwas sagt, das nicht stimmt”

Die Zehn-Minuten-Vortrag-Regel: Zehn Minuten sind eine sehr spezifische Redezeit — zu lang für eine lockere Improvisation, zu kurz für alle Details der Projektarbeit. Die häufigste Herausforderung: Teilnehmende wollen zu viel sagen. Die Lösung liegt in radikaler Priorisierung: Was sind die drei Dinge, die die Kommission auf jeden Fall verstehen soll? Alles andere ist Ergänzung — und wird ggf. im Kolloquium abgefragt. Diese drei Kernbotschaften sollten in der Einleitung und im Fazit explizit genannt werden — das ist die Pyramid Principle-Logik in der Praxis.

Fragetechniken für das Kolloquium: Das Kolloquium ist ein strukturiertes Gespräch, kein Verhör. Wer die Fragetechniken kennt, kann auch auf unerwartete Fragen souverän reagieren. Vier Typen: (1) Klärungs-Fragen: “Was meinen Sie genau mit [Begriff]?” — klären Sie kurz und präzise. (2) Vertiefungs-Fragen: “Können Sie das an einem Beispiel erläutern?” — haben Sie immer ein konkretes Beispiel bereit. (3) Kritik-Fragen: “Was hätten Sie besser machen können?” — beantworten Sie ehrlich und mit Lernperspektive. (4) Transfer-Fragen: “Wie würden Sie das auf [anderen Kontext] übertragen?” — zeigen Sie, dass Sie Muster erkennen.

Sprachliche Präzision bei KI-Themen: KI-Fachbegriffe werden im Kolloquium und in der Prüfung erwartet — aber nicht um Kompetenz zu simulieren, sondern um Präzision zu ermöglichen. Drei Begriffspaare, die häufig verwechselt werden und genau erklärt werden müssen: (1) Provider vs. Deployer — Provider entwickelt das KI-System, Deployer setzt es in einem konkreten Kontext ein. (2) Halluzination vs. Fehler — Halluzination ist eine selbstsicher formulierte Falschaussage; ein normaler Fehler ist eine Fehlklassifikation oder ungenaue Ausgabe. (3) Fine-Tuning vs. Prompt Engineering — Fine-Tuning verändert das Modell selbst, Prompt Engineering nutzt das Modell ohne Änderung durch präzise Anleitungen.

Vertiefung — Pyramid Principle und Storytelling für KI-Präsentationen

Klare Kommunikation über KI-Themen ist eine eigenständige Fähigkeit — unabhängig von der technischen Kompetenz. Das Pyramid Principle und Storytelling-Methoden sind die zwei wirksamsten Frameworks für überzeugende KI-Präsentationen.

Das Pyramid Principle im KI-Kontext: Das Pyramid Principle besagt, dass überzeugende Kommunikation mit der Kernbotschaft beginnt — nicht mit dem Hintergrund, der Analyse oder der Herleitung. Für KI-Präsentationen bedeutet das: Folie 1 beantwortet die Frage “Was ist das Ergebnis?” — nicht “Was ist das Problem?” Die Begründung folgt in den nachfolgenden Folien.

Praxisbeispiel: Statt “Unser Unternehmen hat ein Problem. Wir haben analysiert. Wir haben einen Prototyp gebaut. Das Ergebnis ist…” lieber: “Unser KI-gestützter Rechnungsverarbeitungsassistent spart 30 Stunden pro Monat ein. Hier ist warum wir ihn gebaut haben und wie er funktioniert.” Diese Inversion erzeugt sofort einen klaren Aufhänger, der das Publikum motiviert.

SCR-Struktur für komplexe KI-Themen: Situation: Beschreibt den Status quo — “Heute verarbeitet unser Team 200 Rechnungen pro Woche manuell.” Complication: Benennt das Problem — “Das kostet 25 Stunden Arbeitszeit, führt zu 8 % Fehlerquote und lässt kein Wachstum zu.” Resolution: Liefert die Antwort — “Unser KI-Assistent reduziert die manuelle Arbeit auf 3 Stunden und senkt die Fehlerquote auf unter 1 %.”

Drei Visualisierungstypen für KI-Ergebnisse:

Vorher-Nachher-Diagramme: Zeigen Ist-Zustand vs. Soll-Zustand — Zeitersparnis, Fehlerrate, Kapazität. Einfach, wirkungsvoll, unmittelbar verständlich. Funktioniert auch ohne Designkenntnisse.

Prozessflussdiagramme: Zeigen, wie die KI in einen bestehenden Prozess eingebettet ist — welche Schritte wegfallen, welche automatisiert werden, wo der Mensch weiterhin eingreift. Mensch-in-the-Loop immer sichtbar machen — das zeigt Governance-Bewusstsein.

Risiko-Nutzen-Matrizen: Zeigen die Abwägung zwischen erwartetem Nutzen und identifizierten Risiken. Besonders wertvoll für das Kolloquium — die Kommission fragt häufig nach Risiken.

Non-verbale Kommunikation unter Prüfungsbedingungen: Augenblicke der Unsicherheit sind unvermeidlich — und erkennbar. Drei Techniken helfen:

Pause statt Füllwörter: “ähm” und “also” durch eine kurze Pause ersetzen. Pausen wirken auf Zuhörende kürzer als auf Sprechende.

Blickkontakt bewusst führen: Bei wichtigen Aussagen direkt zur Kommission. Bei Folienwechseln kurz zur Folie, dann zurück zum Publikum.

Körpersprache auf Öffnung: Hände sichtbar halten, aufrechte Haltung, keine Überkreuzung der Arme.

Typische Präsentationsfehler bei KI-Themen: (1) Zu viel Technik — die Kommission prüft Anwendungskompetenz, nicht Ingenieurwissen. Keine Architekturdiagramme mit zwanzig Elementen. (2) Zu wenig Zahlen — jede Claim braucht eine Zahl. “Zeitersparnis” ist kein Argument. “40 % Zeitersparnis = 8 Stunden/Woche = 416 Stunden/Jahr = ca. 12.500 Euro bei 30 Euro/Std.” ist ein Argument. (3) Kein Puffer für Abschluss — wer alle 10 Minuten mit Folie 10 füllt, hat keinen Raum für das Kolloquium.

Kolloquiumsvorbereitung als Teil der Präsentation: Die besten Präsentierenden bereiten sich nicht nur auf die Folien vor, sondern auch auf die drei bis fünf Fragen, die mit größter Wahrscheinlichkeit kommen werden. Typische Fragen: “Warum haben Sie sich für dieses Tool entschieden?”, “Was würde passieren, wenn die Daten schlechter wären?”, “Wie würden Sie das auf einen anderen Prozess übertragen?” Wer diese Fragen im Kopf hat, spricht die Präsentation mit mehr Substanz — weil er weiß, dass er auf Rückfragen gefasst ist.

Branchen-Anwendungen

IT-Dienstleistung & Beratung

In einem IT-Beratungshaus wird die Pyramid-Struktur für einen internen Pitch vor der Geschäftsführung verwendet. These: „Mit dem Angebots-Assistenten können wir die Formulierungszeit pro Angebot von 90 auf 25 Minuten reduzieren.” Argumente: (1) Prototyp zeigt 75 % Zeitersparnis. (2) Qualität ist akzeptabel — 8 von 10 Tests gut bewertet. (3) Break-Even in 1,3 Monaten. Belege: Screenshot Prototyp, KPI-Tabelle, Wirtschaftlichkeitsrechnung. Empfehlung: 4-Wochen-Pilot mit 3 Projektmanagern.

Besonderer Fokus: Die Kommunikation gegenüber IT-affinen Kolleginnen und Kollegen darf technischer sein — aber auch hier gilt: das Problem zuerst, nicht die Technologie.

Industrie & Fertigung

In einem Fertigungsunternehmen wird der Wartungsprotokoll-Assistent der Werkstattleitung präsentiert. Die Herausforderung: Die Zielgruppe ist technisch, aber nicht KI-affin. Die Pyramid-Struktur hilft: These: „Wir können die Protokollierungszeit unserer Wartungstechniker von 40 Minuten täglich auf unter 10 Minuten reduzieren.” Visualisierung: Vorher-Nachher-Prozessfluss (handschriftliche Notizen → Sprachnotiz → KI-generiertes Protokoll). Screenshot-Demo der Prototyp-Interaktion.

Wichtig: Bedenken der Werkstattleitung antizipieren — „Was, wenn die KI fehlerhafte Protokolle erstellt?” Antwort nach Pyramid-Struktur: These: „Jedes Protokoll wird vom Techniker geprüft, bevor es gespeichert wird.” Begründung: Human-in-the-Loop-Prinzip, Drei-Stufen-Freigabemodell.

Finanzdienstleistung & Versicherung

In einer Versicherung wird der Beschwerde-Klassifizierer dem Compliance-Officer und der Abteilungsleitung präsentiert. Die besondere Herausforderung: Compliance-Fragen stehen im Vordergrund. Die Pyramid-Struktur muss daher anders gewichtet werden: These: „Das System ist datenschutzkonform ausgestaltet und KI entscheidet zu keinem Zeitpunkt final.” Begründung: AVV mit EU-Anbieter, Human-in-the-Loop für alle Klassifizierungen, Audit-Logging. Erst dann: Zeitersparnis und Nutzen.

Diese Gewichtung zeigt, dass ein guter Kommunikator sein Publikum kennt und die Pyramid-Struktur entsprechend anpasst.

Öffentliche Verwaltung

In einer Gemeindeverwaltung wird der Wissens-Assistent dem Bürgermeister und dem IT-Beauftragten präsentiert. Die Zielgruppe ist heterogen: Der Bürgermeister interessiert sich für Bürgerfreundlichkeit und Effizienz, der IT-Beauftragte für Datenschutz und Sicherheit. Die Lösung: Eine duale Präsentation — zuerst die Bürger-Perspektive (weniger Wartezeit, einheitlichere Antworten), dann die Compliance-Perspektive (On-Premises-Hosting, kein Personendaten-Transfer, DSGVO-konform). Für beide Perspektiven gilt die Pyramid-Struktur: These zuerst, dann Begründung.

Übung 1 — 3-Minuten-Pitch halten

Übung 1 — 3-Minuten-Pitch halten

Aufgabe: Halten Sie einen 3-Minuten-Pitch zu Ihrem Projektarbeit-Use-Case vor der Gruppe. Verwenden Sie die Pyramid-Struktur. Keine Folien erlaubt — freies Sprechen.

Material: Stoppuhr; Peer-Feedback-Formular

Schritt-für-Schritt: 1. Vorbereitung 5 Minuten: These in einem Satz. 3 Argumente. Beleg je Argument. Konkrete Empfehlung. 2. Pitch halten (3 Minuten, mit Zeitnahme). 3. Zwei andere Teilnehmende geben strukturiertes Feedback (2 Minuten je Feedbackgeber). 4. Feedback aktiv anhören — keine Verteidigung, nur Fragen zum Verständnis. 5. Wichtigste Rückmeldung notieren und eine konkrete Verbesserung planen. 6. Verbesserung auf den geplanten 10-Minuten-Vortrag in UE 119 übertragen.

Erwartetes Ergebnis: Gehaltener 3-Minuten-Pitch mit dokumentiertem Peer-Feedback und einer notierten Verbesserungsmaßnahme.

Musterlösung Pitch-Struktur:

These: „Mit einem KI-Angebots-Assistenten können wir die Formulierungszeit pro Angebot von 90 auf 25 Minuten reduzieren.”

Argumente: (1) Prototyp zeigt 75 % Zeitersparnis bei Testinteraktionen. (2) Qualität des Entwurfs akzeptabel — 8 von 10 Tests gut oder teilweise gut bewertet. (3) Minimales Implementierungsrisiko — Custom GPT, kein Code, Break-Even in 1,3 Monaten.

Belege: Screenshot Prototyp, KPI-Tabelle, Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Empfehlung: „Ich empfehle einen 4-Wochen-Pilot mit 3 Projektmanagern ab [Datum], mit wöchentlichem Kurzreview.”

Übung 2 — Kolloquiumsfragen vorbereiten

Übung 2 — Kolloquiumsfragen vorbereiten

Aufgabe: Bereiten Sie schriftliche Antworten auf fünf typische Kolloquiumsfragen für Ihren Use-Case vor. Testen Sie im Peer-Dialog.

Material: Liste der häufigen Kolloquiumsfragen (im Lerntext); eigene Projektarbeit

Schritt-für-Schritt: 1. Wählen Sie fünf relevante Kolloquiumsfragen aus. 2. Formulieren Sie für jede Frage eine Antwort nach Pyramid-Struktur (These + 2–3 Punkte). 3. Stellen Sie sicher, dass Sie die AI-Act-Risikokategorie sicher beherrschen. 4. Testen Sie im Peer-Dialog: Eine Person stellt die Frage, die andere antwortet frei. 5. Partner gibt Feedback: War die Antwort klar? Hat die Pyramid-Struktur funktioniert? 6. Überarbeiten Sie Ihre zwei schwächsten Antworten. 7. Notieren Sie: Welche Frage macht Ihnen noch Sorgen?

Erwartetes Ergebnis: Fünf schriftlich vorbereitete Kolloquiums-Antworten.

Musterlösung:

Frage: „Sie haben das System als geringes Risiko eingestuft. Wann würde es Hochrisiko?”

These: „Das System wird Hochrisiko, wenn es für automatisierte Entscheidungen über Personen eingesetzt würde.”

Begründung: „(1) Aktuell unterstützt der Assistent nur Formulierungsarbeit — keine Entscheidungen über Personen. (2) Falls in die Bewerbungsauswahl integriert, greift EU AI Act Anhang III Ziffer 4 — dann alle Deployer-Pflichten nach Art. 26. (3) Das aktuelle Hosting würde für ein Hochrisikosystem nicht ausreichen — eine zertifizierte, dokumentierte Lösung wäre erforderlich.”

Cheatsheet — Die wichtigsten Punkte

Pyramid Principle: Wichtigste Aussage ZUERST — dann Begründung

These in einem Satz — wenn drei Sätze nötig sind, ist die These unklar

Drei Visualisierungstypen: Prozessfluss / Screenshot / KPI-Vergleich

Kolloquium: Pyramid-Antwort, 2–3 Minuten je Frage

„Was würden Sie anders machen?” — niemals „nichts”; immer ein Lernfeld nennen

Jede Folie = eine Kernaussage; max. 30 Wörter Fließtext

Zeitüberschreitung kostet Punkte — dreimal mit Stoppuhr üben

Demo zeigen statt beschreiben — Screenshots überzeugen

Peer-Feedback annehmen ohne Verteidigung

Fachbegriffe für nicht-technisches Publikum übersetzen

Reflexionsfragen

Was war das schwierigste an der Pitch-Übung — und was sagt das über Ihre Präsentationsstärken aus?

Welche Kolloquiumsfrage fühlt sich noch unsicher an?

Wie würden Sie Ihren Use-Case einem KI-skeptischen Entscheider erklären?

Welches der drei Visualisierungsformate ist für Ihren Use-Case am überzeugendsten?

Wenn Sie nur 60 Sekunden hätten — was würden Sie sagen?

Quellen & Weiterlesen

QuelleTypURL
Barbara Minto: The Pyramid PrincipleLehrbuchhttps://www.barbaraminto.com/concept.html
McKinsey: Structured CommunicationFachartikelhttps://www.mckinsey.com/alumni/news-and-events/global-news/alumni-news/barbara-minto-mece-i-invented-it-so-i-get-to-say-how-to-pronounce-it
TED Masterclass: PräsentationstechnikenLernvideohttps://masterclass.ted.com
Nancy Duarte: Slide:ology (Visualisierungsdesign)Lehrbuchhttps://www.duarte.com/resources/books/slideology/
Bitkom: Kommunikation von KI-ProjektenLeitfadenhttps://www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Kuenstliche-Intelligenz-in-Deutschland
Gamma: KI-gestützte PräsentationstoolsHersteller-Dokhttps://gamma.app
Nancy Duarte: Resonate-MethodeLehrbuchhttps://www.duarte.com/resources/books/resonate/

Vertiefung — Die Präsentation als Verkauf von Erkenntnis, nicht von Technologie

Eine fundamentale Einsicht für Projektpräsentationen: Die Prüfungskommission kauft keine KI-Technologie — sie bewertet, ob Sie in der Lage sind, ein komplexes Problem methodisch zu durchdenken und kommunikativ zu vertreten. Das ist eine andere Herausforderung als technisches Demonstrieren.

Was die Kommission sehen möchte:

Urteilsvermögen: Haben Sie bewusst Entscheidungen getroffen — und können Sie diese begründen? Warum dieser Use-Case und nicht ein anderer? Warum Custom GPT und nicht n8n? Warum diese KPI und nicht eine andere?

Methodische Konsequenz: Folgen die Kapitel einer nachvollziehbaren Logik? Löst das Konzept das Problem aus Kapitel 1 tatsächlich?

Realismus: Sind Ihre KPI-Schätzungen plausibel oder optimistisch-geschönt? Benennen Sie ehrlich, was der Prototyp nicht kann?

Transfer: Könnten Sie diesen Ansatz auf einen anderen Kontext übertragen — und verstehen Sie, warum er in diesem Kontext funktioniert?

Die beste Präsentation zeigt diese vier Qualitäten — und nutzt den Prototyp-Screenshot als Beweis, dass das Konzept in die Praxis übersetzt wurde. Nicht als Hauptattraktion, sondern als Bestätigung.

Übung 2 — Kolloquiums-Simulation mit hartem Feedback

Übung 2 — Kolloquiumssimulation mit strukturiertem Feedback

Aufgabe: Simulieren Sie das Kolloquium für Ihr Projekt — mit einer Partnerperson als Prüferin oder Prüfer und strukturiertem Feedbackbogen.

Material: Eigene Projektarbeit (als Grundlage), Kolloquiums-Feedbackbogen

Schritt-für-Schritt: 1. Partnerperson liest 10 Minuten die Zusammenfassung Ihrer Projektarbeit (Kapitel 1 und 3). 2. Partnerperson stellt vier Fragen: je eine aus den Kategorien Begründung, Vertiefung, Transfer, Kritik. 3. Sie antworten mit der Kolloquiumsstruktur: Paraphrase → Kern → Begründung → Einschränkung. Stoppuhr: 60 Sekunden je Antwort. 4. Partnerperson gibt Feedback: Welche Antwort war präzise? Wo waren Sie unsicher oder vage? 5. Rollen tauschen. 6. Jede Person notiert zwei Antworten, die sie verbessern möchte — und formuliert diese neu.

Erwartetes Ergebnis: Vier simulierte Kolloquiumsantworten, Feedback erhalten, zwei Antworten konkret verbessert.

Branchen-Vignette — Rechtsanwaltskanzlei & Justizverwaltung

In einer Rechtsanwaltskanzlei oder einem Gericht fallen regelmäßig Aufgaben an, die strukturiert, aber zeitintensiv sind: Schriftsätze müssen auf Standardbausteine aufgebaut werden, Klageschriften erfordern strukturierte Sachverhaltsdarstellungen, Entscheidungen müssen für Laien verständlich zusammengefasst werden. Ein Assistent für erste Entwürfe von Standarddokumenten (z. B. einfache Abmahnungen, Mahnschreiben, Klageschriften nach festem Schema) hat in diesem Kontext hohes Potenzial.

Besondere Präsentations-Herausforderung: Das Publikum (Rechtsanwälte, Richterinnen) ist besonders kritisch gegenüber KI-generierten Texten mit rechtlichem Anspruch. Die Präsentation muss von Folie 1 an klar machen: KI erstellt Entwürfe, die juristisch geprüft werden — es findet zu keinem Zeitpunkt eine automatisierte rechtliche Entscheidung statt. Die Pyramid-Struktur beginnt daher nicht mit dem Nutzen, sondern mit der Risikobegrenzung: „Dieser Assistent beschleunigt die Dokumentenerstellung — ohne die juristische Verantwortung zu verschieben.”

Kolloquiums-Erwartungsfragen: „Welche Haftungsrisiken entstehen, wenn der Entwurf fehlerhaft ist?” (Antwort: Die Verantwortung liegt beim prüfenden Anwalt — KI ist Hilfsmittel, kein Entscheidungsträger. AI Act: minimales Risiko, weil keine automatisierten Rechtsentscheidungen.)

Praxis-Einschub — Zehn Vortragssignale, die Kompetenz kommunizieren

Neben den inhaltlichen Qualitätsmerkmalen gibt es zehn non-verbale und sprachliche Signale, die Prüfungskommissionen unbewusst als Kompetenzsignale wahrnehmen.

Direkter Einstieg: Die Präsentation beginnt mit der Kernaussage — nicht mit Dankworten oder einer Einführung in KI.

Klare Übergänge: „Das führt mich zur Frage…” oder „Um das zu belegen…” zeigen strukturiertes Denken.

Fachbegriffe korrekt und kontextuell: LLM, RAG, AVV, Deployer — wer Begriffe korrekt und im richtigen Zusammenhang verwendet, signalisiert Kompetenz.

Selbstkritik vor der Kritikfrage: Wer Grenzen des eigenen Projekts proaktiv anspricht, kommt der Kommission zuvor und zeigt Reflexionsfähigkeit.

Zahlen statt Adjektive: „6,5 Minuten Zeitersparnis” statt „erhebliche Zeitersparnis”.

Konkreter nächster Schritt: Die Präsentation endet nicht mit „das waren meine Ergebnisse”, sondern mit „als nächster Schritt empfehle ich [X] bis [Zeitangabe]“.

Ruhiges Sprechtempo mit bewussten Pausen: Pausen nach Kernaussagen geben der Kommission Zeit zum Verarbeiten.

Blickkontakt bei Übergängen: Zwischen Folien kurz innehalten und zur Kommission schauen — zeigt, dass Sie für die Menschen sprechen, nicht für die Leinwand.

Auf Rückfragen eingehen, nicht ausweichen: „Das ist eine wichtige Frage. Meine Einschätzung dazu ist…” signalisiert Bereitschaft zur Auseinandersetzung.

Das Kolloquium als Chance nutzen: Wer nach der letzten Präsentationsfolie sagt „Ich lade jetzt zu Ihren Fragen ein”, signalisiert Sicherheit — keine Angst vor dem Kolloquium.

Merksatz

Prüfungskommissionen bewerten nicht nur, was Sie sagen — sie bewerten, wie sicher Sie sind, während Sie es sagen. Vorbereitung gibt Sicherheit. Dreimal probelaufen gibt Sicherheit. Das Feedback aus UE 113 umsetzen gibt Sicherheit. Kombination aus allen dreien gibt maximale Sicherheit.

Trainer-Hinweise

Vertiefung: Präsentation als Überzeugungsakt

Eine KI-Projektpräsentation hat eine andere Funktion als ein Statusbericht. Sie soll nicht primär informieren, sondern überzeugen — und zwar verschiedene Zielgruppen gleichzeitig:

Die vier Zielgruppen in einer KI-Projektpräsentation

ZielgruppePrimäres InteresseÜberzeugungs-Hebel
Technisch InteressierteWie genau funktioniert die Lösung?Methodik, Genauigkeitsmetriken, Architektur
FachabteilungLöst es mein Problem wirklich?Konkreter Nutzen, Bedienbarkeit, Zeitersparnis
FührungskräfteLohnt sich die Investition?ROI, strategische Relevanz, Risikobewertung
Skeptikerinnen und SkeptikerWas kann schiefgehen?Ehrliche Einschränkungen, Fallback-Pläne, Pilotlogik

Prinzip der doppelten Botschaft: Jede gute KI-Präsentation enthält zwei Botschaften gleichzeitig: 1. Die Sachbotschaft: „Unsere KI-Lösung kann X und erreicht Y % Genauigkeit.” 2. Die Vertrauensbotschaft: „Wir haben das Problem wirklich verstanden, ehrlich getestet und kennen die Grenzen.”

Menschen kaufen keine Technologie. Sie kaufen Vertrauen in die Personen, die sie einsetzen.

Übung 2: Kolloquiums-Simulation — Schwierige Fragen meistern

Rollenspiel-Übung (je 10 Minuten pro Person):

Eine Person präsentiert ihr KI-Projekt in 5 Minuten. Drei andere Personen spielen Rollen: - Rolle A: Die kritische Führungskraft (Fokus: Kosten, Nutzen, Risiken) - Rolle B: Die datenschutzbewusste Person (Fokus: DSGVO, Datensicherheit, Transparenz) - Rolle C: Die technisch neugierige Person (Fokus: Methodik, Fehlerquellen, Vergleich zu Alternativen)

Herausfordernde Fragen für jede Rolle:

Rolle A: „Warum brauchen wir KI dafür — hätte ein Excel-Makro nicht gereicht?” / „Was passiert, wenn das Tool den Anbieter wechselt oder teurer wird?”

Rolle B: „Welche personenbezogenen Daten hat die KI verarbeitet, und wo wurden diese gespeichert?” / „Wie stellen Sie sicher, dass keine Daten für das Modell-Training verwendet wurden?”

Rolle C: „Wie haben Sie die 92 % Genauigkeit gemessen — was war der Testdatensatz?” / „Haben Sie andere Modelle verglichen? Warum haben Sie sich für dieses entschieden?”

Feedback-Bogen (nach jeder Präsentation): - Klarheit der Botschaft (1–5) - Umgang mit kritischen Fragen (1–5) - Nennung von Grenzen und Einschränkungen (1–5) - Würde ich dieses Projekt weiterempfehlen? (Ja / Mit Anpassungen / Nein)

Branchen-Vignette: Steuerberatung — KI-Präsentation vor dem Partnerkreis

Kanzlei: Mittelgroße Steuerberatungskanzlei (12 Partnerinnen und Partner, 80 Mitarbeitende)

Projektergebnis: KI-gestützte Erstprüfung von Jahresabschluss-Checklisten — manuelle Prüfzeit von 45 auf 12 Minuten reduziert.

Präsentationssituation: Die zuständige Beraterin präsentiert das Projekt vor dem Partnerkreis. Ein erfahrener Partner fragt: „Wenn die KI einen Fehler macht und wir haften — wer trägt die Verantwortung?”

Antwort der Beraterin (vorbereitet): „Die KI trifft keine Entscheidungen. Sie markiert Auffälligkeiten und gibt strukturierte Hinweise. Die fachliche Prüfung und die Verantwortung liegt ausschließlich bei der zuständigen Beraterin oder dem zuständigen Berater — wie bisher. Die KI ist ein Assistenzsystem, kein Entscheidungssystem.”

Ergebnis: Der Partnerkreis genehmigt einen 3-Monats-Pilot in zwei Niederlassungen.

Lernimpuls: Die präzise Unterscheidung zwischen Assistenzsystem und Entscheidungssystem ist in haftungsrelevanten Kontexten der wichtigste Überzeugungshebel.

Prompt-Box — UE 113: Einwand-Vorbereitung für KI-Präsentationen

Prompt:

Ich präsentiere folgendes KI-Projekt vor einer gemischten Gruppe:

[KURZBESCHREIBUNG DES PROJEKTS — 3–5 Sätze]



Zielgruppe: [BESCHREIBUNG — z. B. Führungskräfte, Datenschutzbeauftragte, Fachabteilung]



Bitte generiere:

1. Die 5 kritischsten Fragen, die diese Zielgruppe stellen könnte

2. Für jede Frage eine prägnante, ehrliche Antwort (max. 3 Sätze)

3. Einen abschließenden „Vertrauens-Satz", den ich am Ende der Präsentation sagen kann,

um Bedenken aufzugreifen, ohne defensiv zu wirken



Ton: professionell, direkt, nicht-defensiv. Stärken betonen, aber Grenzen nicht verschweigen.

Einsatz: Teilnehmende bereiten sich mit diesem Prompt auf die Kolloquiums-Simulation und die spätere echte Abschlusspräsentation vor.

Reflexionsfragen

Welche Frage aus der Kolloquiums-Simulation hat Sie am meisten ins Schwitzen gebracht? Was lernen Sie daraus für Ihre Vorbereitung?

Wo liegt die Grenze zwischen ehrlicher Einschränkung und unnötigem Kleinreden des eigenen Projekts?

Wie würden Sie Ihr Projekt einer Person erklären, die kein Interesse an KI hat, aber Ihr wichtigster interner Promotor werden soll?

10 Körpersprache- und Vortrags-Signale, die Kompetenz ausstrahlen

Unabhängig vom Inhalt Ihrer Präsentation senden Sie durch Auftreten und Stimmführung starke Signale. Die folgenden zehn Verhaltensweisen unterscheiden professionelle KI-Präsentationen von unsicheren:

#SignalStatt
1Direkter Einstieg mit Kernaussage„Ich möchte heute über … sprechen”
2Pausen nach Kernsätzen (2–3 Sek.)Sofort weiterreden
3Zuhörerinnen und Zuhörer beim Namen ansprechenAllgemeine Anrede
4Einschränkungen selbst nennenWarten bis jemand fragt
5Zahlen mit Kontext versehenReine Prozentzahlen
6Auf Folien zeigen, nicht vorlesenFolienwände ablesen
7Fragen mit „Das ist eine wichtige Frage” würdigenSofort antworten ohne Würdigung
8„Ich weiß es nicht, aber ich finde es heraus” bei UnbekanntemImprovisieren oder ausweichen
9Schluss mit konkreter Handlungsempfehlung„Das war meine Präsentation, danke”
103 Sekunden Stille nach letztem SatzSofort Fragen einladen

Hinweise für AI Champions — So vermitteln Sie das Thema — UE 113

Timing (45 Min): 5 Min Einstieg, 12 Min Lerntext (Pyramid Principle, Visualisierungstypen, Kolloquiums-Vorbereitung), 15 Min Übung 1 (Pitches halten), 8 Min Übung 2 (Kolloquiumsfragen), 5 Min Plenums-Sicherung.

Methodische Empfehlung: Übung 1 in der Gruppe halten (alle hören zu) (alle hören zu) — so profitiert die ganze Gruppe vom Feedback zu jedem Pitch. Zeitnahme strikt durchhalten: 3 Minuten sind oft überraschend kurz.

Häufige Stolpersteine: (a) Teilnehmende beginnen mit Hintergrund statt These — nach dem ersten Satz fragen: „Was ist Ihre Kernbotschaft?” (b) Folien als Krücke — Übung 1 bewusst ohne Folien. (c) Technische Details statt Nutzen — immer zum Problem und Nutzen zurücklenken.

Tipp zur Branchenauswahl: Die Finanzdienstleistungs-Vignette eignet sich zur Diskussion, wie man die Pyramid-Struktur für unterschiedliche Zielgruppen (technisch vs. compliance-orientiert) anpasst. Für gemischte Gruppen: kurze Diskussion über die Sprachbrücken-Tabelle in der Gruppe oder allein.

Übergang zur nächsten UE: „Sie können jetzt pitchen. In UE 114 lernen Sie, wie Sie dieses Wissen in Ihrem Team multiplizieren — als interne KI-Botschafterin oder -Botschafter.”

Ergänzung — Präsentationsvorbereitung: Konkrete Checkliste

Sieben-Tage-Vorbereitungsplan für die Präsentation:

Tag 7 vor der Präsentation: Strukturieren Sie die zehn Folien nach der Pflichtgliederung. Füllen Sie Folie 1, 2 und 10 vollständig aus — diese definieren den Rahmen.

Tag 5 vor der Präsentation: Ergänzen Sie Folien 3–9 mit Kerninhalt. Keine vollständigen Sätze auf den Folien — nur Schlüsselbegriffe und Zahlen.

Tag 4 vor der Präsentation: Erster Probelauf alleine mit Stoppuhr. Erwartetes Ergebnis: 12–14 Minuten. Identifizieren Sie die zwei längsten Folien.

Tag 3 vor der Präsentation: Kürzen Sie die zwei längsten Folien. Formulieren Sie Übergangssätze zwischen Folien.

Tag 2 vor der Präsentation: Zweiter Probelauf mit Partnerperson. Bitten Sie um Rückmeldung zu: Tempo, Fachbegriffe erklärt?, roter Faden erkennbar?.

Tag 1 vor der Präsentation: Kurzer Durchlauf (nicht mehr als einmal). Kolloquiumsfragen mental durchgehen. Frühzeitig schlafen.

Technische Vorbereitung: Klären Sie im Voraus: Welches Präsentationsformat ist gefordert (PowerPoint, PDF, Keynote)? Gibt es einen Beamer, und welche Anschlüsse? Haben Sie einen Adapter dabei? Ist der Laptop geladen? Gibt es eine Backup-Möglichkeit (USB-Stick mit PDF-Version)? Technische Probleme bei der Präsentation kosten Zeit und Nerven — und sie lassen sich fast vollständig vermeiden.

Sprache und Fachbegriffe: KI-Fachbegriffe sind in der Präsentation und im Kolloquium erwartet. Gleichzeitig gilt: Fachbegriffe ohne Erklärung signalisieren keine Kompetenz — sie signalisieren mangelnde Didaktik. Die Regel: Verwenden Sie einen Fachbegriff und erklären Sie ihn in einem Halbsatz, wenn er das erste Mal vorkommt. “Das Modell nutzt Retrieval-Augmented Generation, also die Kombination aus Suche in einer Wissensbasis und KI-Textgenerierung, um präzisere Antworten zu liefern.” Diese Formulierung zeigt sowohl Fachkenntnisse als auch kommunikative Stärke.

Merksatz

Die Präsentation ist keine Zusammenfassung der Projektarbeit — sie ist ein eigenständiges Kommunikationsformat. Wählen Sie die fünf prüfungsrelevantesten Aspekte Ihrer Arbeit und präsentieren Sie diese mit Überzeugung. Alles andere ist Anhang.

Lerntext-Vertiefung — Kolloquiumsvorbereitung und rhetorische Kompetenz

Das Kolloquium als Stärkendemonstration nutzen: Das Kolloquium ist nicht nur eine Prüfungssituation — es ist eine Möglichkeit, Wissen zu demonstrieren, das in 10 Minuten Vortrag nicht sichtbar war. Die drei häufigsten “Stärken-Momente” im Kolloquium: (a) Eine kritische Frage zur eigenen Lösung sachlich und selbstkritisch beantworten — “Das ist ein valider Punkt. Ehrlich gesagt habe ich diese Einschränkung auch gesehen. Meine Einschätzung ist, dass…” (b) Eine Transfer-Frage mit einer konkreten, nicht-offensichtlichen Antwort beantworten — zeigt Konzept-Transfer statt auswendig gelerntes Wissen. (c) Eine Frage beantworten, zu der man sagt: “Das weiß ich nicht mit Sicherheit — aber meine Einschätzung auf Basis von [Prinzip X] wäre…” — zeigt analytisches Denken statt Wissen-Simulation.

Dreißig häufigste Kolloquiumsfragen: Vorbereitung auf dreißig typische Fragen deckt mehr als 80 % der tatsächlichen Kolloquiumsfragen ab. Die folgende Liste enthält die häufigsten Themenfelder:

Zu Problem und Scope: “Warum haben Sie genau dieses Problem gewählt?”, “Was wurde bewusst ausgeklammert und warum?”, “Hätte es ein besseres Problem gegeben?”

Zu Use-Case und Stakeholder: “Wer profitiert am meisten von Ihrer Lösung?”, “Welcher Stakeholder war am schwersten zu überzeugen?”, “Was hätte der Datenschutzbeauftragte gesagt?”

Zu Prototyp und Technik: “Warum haben Sie dieses Tool gewählt?”, “Was hätte eine Alternative geleistet?”, “Was sind die drei wichtigsten Einschränkungen Ihrer Lösung?”

Zu Wirtschaftlichkeit: “Wie sind Sie auf diese Zeitschätzung gekommen?”, “Was ändert sich, wenn das Volumen zehnmal größer wird?”, “Ab wann lohnt sich die Investition?”

Zu Governance: “Wie stufen Sie Ihren Use-Case nach EU AI Act ein?”, “Welche Datenschutzmaßnahmen haben Sie getroffen?”, “Wer hat die letzte Entscheidung in Ihrem System?”

Zu Reflexion: “Was hat Sie am meisten überrascht?”, “Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?”, “Welches Learning ist auf andere Projekte übertragbar?”

Schweigen als Technik: Im Kolloquium neigen Präsentierende dazu, sofort zu antworten — aus dem Impuls, Stärke durch Schnelligkeit zu demonstrieren. In Wirklichkeit ist eine kurze Pause vor der Antwort (zwei bis drei Sekunden) ein Zeichen von Überlegung und Kompetenz. Formulieren Sie in dieser Pause innerlich: “Was ist der Kern der Frage? Was ist mein Kernpunkt in der Antwort?” Dann beginnen Sie — mit dem Kernpunkt, nicht mit einer langen Einleitung.

Merksatz

Kolloquiumserfolg kommt nicht vom Wissen aller Antworten — sondern vom Umgang mit Fragen, die man nicht erwartet hat. Wer gelernt hat, ruhig zu analysieren und ehrlich zu antworten, wird auch schwierige Fragen überzeugend beantworten.

Praxis-Handlungsfeld — Letzte Präsentationsvorbereitung

Mentale Simulation des Vortrags: Einer der wirksamsten, am wenigsten genutzten Vorbereitungsschritte: Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich den vollständigen Vortrag vor — Raum, Kommission, Projektor, eigene Stimme. Visualisieren Sie: Wie beginnen Sie? Was sagen Sie bei Folie 5? Was antworten Sie auf die erste Kolloquiumsfrage? Diese mentale Probe aktiviert dieselben neuronalen Muster wie eine physische Probe und ist eine wirksame Ergänzung zu tatsächlichen Probeläufen.

Adaption der Sprache an die Kommission: Wenn Sie die Zusammensetzung der Prüfungskommission kennen (technisch? kaufmännisch? gemischt?), passen Sie Ihre Sprache an. Bei technischer Kommission: mehr Systemarchitektur, API-Details, Prompt-Struktur-Erklärung optional. Bei kaufmännischer Kommission: mehr Wirtschaftlichkeit, Nutzen-Quantifizierung, Risiko-Kommunikation. Bei gemischter Kommission: Balance halten, Fachbegriffe immer kurz erklären.

Prompt-Beispiel

Prompt: Kolloquiumsfragen zu meinem Projekt generieren

Persona: Du bist ein erfahrener Prüfer für KI-Anwenderkurse. Aufgabe: Generiere 8 typische Kolloquiumsfragen zu dem folgenden KI-Projekt. Verteile die Fragen auf vier Kategorien: 2 Begründungsfragen, 2 Vertiefungsfragen, 2 Transferfragen, 2 kritische Fragen. Kontext: Das Projekt wurde im Rahmen eines 120-UE-KI-Anwenderkurses entwickelt. Bewertungskriterien: Fachliche Tiefe, Selbstreflexion, Transferfähigkeit. Format: Nummerierte Liste mit Kategorie-Bezeichnung vor jeder Frage. Einschraenkung: Keine offensichtlichen oder trivialen Fragen - nur prüfungsrelevante Tiefgang-Fragen. Projektbeschreibung: [Projektbeschreibung hier einfügen]

Abschluss-Betrachtung — Kommunikation als Dauerkompetenz

Die Kommunikationskompetenz aus UE 113 — Pyramid Principle, SCR-Struktur, Visualisierung, non-verbale Kommunikation — ist keine prüfungsspezifische Fähigkeit. Sie ist eine berufliche Dauerkompetenz. Jede interne Präsentation, jeder Kundenauftritt, jede Vorstandsunterlage profitiert von denselben Prinzipien.

Die Verbindung zwischen Kommunikation und KI-Adoption: Warum scheitert KI-Adoption in Organisationen? In den meisten Fällen nicht an der Technologie — sondern an der Kommunikation. Wenn Mitarbeitende nicht verstehen, was ein KI-System macht, vertrauen sie ihm nicht. Wenn Führungskräfte nicht verstehen, was ein KI-Projekt kosten und bringen wird, investieren sie nicht. Die Kommunikationskompetenz aus UE 113 ist daher direkt mit dem Erfolg Ihrer Multiplikator-Rolle aus UE 114 verbunden.

Präsentation als Feedback-Gelegenheit: Jede Präsentation — auch die Prüfungspräsentation — ist eine Feedback-Gelegenheit. Beobachten Sie: Wo hören die Zuhörenden besonders aufmerksam zu? Wo verlieren sie Aufmerksamkeit? Welche Folie erzeugt Fragen? Diese Beobachtungen verbessern die nächste Präsentation. Wer jede Präsentation als Lernformat versteht, wird mit jeder Iteration besser.

Drei Folien, die immer funktionieren: Wenn Sie eine vollständige zehnminütige Präsentation auf drei Kernfolien reduzieren müssten — welche drei wären das? Diese Frage ist nicht theoretisch — sie schärft Ihren Blick für das Wesentliche. Die Antwort: Folie 2 (Problem, quantifiziert), Folie 7 (KPIs, Wirtschaftlichkeit) und Folie 10 (Fazit und Empfehlung). Wer diese drei Folien überzeugend präsentieren kann, kann den Rest in der Diskussion erklären.

Vertiefung II — Kolloquium als Dialogformat

Das Kolloquium ist kein verlängertes Verhör und kein Test für auswendig gelerntes Wissen. Es ist ein professioneller Dialog zwischen Lernenden und Prüfenden über ein selbst durchgeführtes Projekt. Dieses Verständnis verändert die Vorbereitung grundlegend.

Die Perspektive der Prüfenden

Prüfende in einem Kolloquium interessieren sich für drei Dinge: Ob Sie Ihr eigenes Projekt wirklich verstehen, ob Sie methodische Entscheidungen begründen können, und ob Sie kritisch mit Stärken und Schwächen Ihres Ansatzes umgehen. Auswendig gelernte Antworten beantworten diese drei Fragen nicht — sie erwecken im Gegenteil den Eindruck, dass ein tieferes Verständnis fehlt.

Das bedeutet konkret: Die beste Vorbereitung für ein Kolloquium ist nicht das Lernen von Antworten, sondern das Durchdenken des eigenen Projekts aus kritischer Distanz.

Merksatz

Im Kolloquium überzeugen Sie nicht durch fehlerfreie Antworten, sondern durch die Fähigkeit, methodische Entscheidungen zu begründen und Grenzen des eigenen Projekts zu benennen. Selbstkritik ist Stärke, nicht Schwäche.

Typische Kolloquiumsfragen und wie man sie angeht

Die folgende Übersicht zeigt typische Fragetypen und empfohlene Antwortstrategien:

Fragen zur Methodenwahl: „Warum haben Sie Methode X und nicht Methode Y verwendet?” — Beantworten Sie diese Frage mit drei Komponenten: Was hat Methode X geleistet, was X-Alternative nicht geleistet hätte? Was waren die Einschränkungen, die eine andere Methode ausschlossen? Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Fragen zu Ergebnissen: „Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?” — Vermeiden Sie Ja/Nein-Antworten. Differenzieren Sie: In welcher Hinsicht entsprechen die Ergebnisse den Erwartungen? Wo bleiben Sie hinter den Zielen zurück und warum? Was wäre für eine Verbesserung notwendig?

Fragen zur Skalierbarkeit: „Wie würde Ihre Lösung in einer größeren Organisation funktionieren?” — Dies ist eine Einladung zum Nachdenken, keine Falle. Zeigen Sie, dass Sie zwischen dem Prototyp (mit allen seinen Vereinfachungen) und einer produktiven Lösung unterscheiden können.

Fragen zu ethischen Aspekten: „Welche Risiken sehen Sie bei Ihrer Lösung?” — Hier sollten Sie konkrete, fachlich fundierte Antworten geben, keine allgemeinen KI-Risiko-Klischees. Bezogen auf Ihr spezifisches Projekt: Welche Bias-Risiken existieren? Welche Datenschutzaspekte sind relevant? Was passiert, wenn das System fehlerhafte Vorhersagen macht?

Die Drei-Minuten-Struktur für Präsentationseröffnungen

Die ersten drei Minuten einer Präsentation entscheiden maßgeblich über den Eindruck, den Sie hinterlassen. Eine bewährte Struktur:

Minute 1 — Problem und Kontext: Beschreiben Sie die Ausgangssituation, die Ihr Projekt addressiert. Warum ist das Problem relevant? Wer ist betroffen? Welche Konsequenzen hat es, wenn es nicht gelöst wird?

Minute 2 — Ihr Ansatz: Was haben Sie getan? Welche Methoden haben Sie angewendet? Was war Ihr spezifischer Beitrag?

Minute 3 — Ergebnis und Ausblick: Was haben Sie erreicht? Was sind die wichtigsten Erkenntnisse? Was wäre ein nächster Schritt?

Diese Struktur entspricht dem Pyramid Principle: von der Kernaussage (Was ist das Ergebnis?) über die Begründung (Was haben Sie getan?) zur Kontextualisierung (Warum war es wichtig?).

Merksatz

Die drei Minuten Eröffnung einer Präsentation setzen den Rahmen für alles Folgende. Beginnen Sie mit der relevantesten Information — nicht mit einer Agenda-Folie oder allgemeinen KI-Definitionen.

Non-verbale Kommunikation in der Präsentation

Der Inhalt einer Präsentation wird durch non-verbale Signale erheblich beeinflusst. Drei Aspekte sind besonders relevant:

Blickkontakt: Präsentieren Sie zu den Menschen im Raum, nicht zur Leinwand. Wer auf die eigenen Folien schaut, signalisiert, dass er den Inhalt nicht sicher beherrscht.

Sprechgeschwindigkeit: Nervosität führt zu schnellerem Sprechen. Eine bewusst reduzierte Sprechgeschwindigkeit wirkt kompetenter und gibt dem Publikum Zeit, die Informationen zu verarbeiten.

Pausen: Stille nach einer wichtigen Aussage verstärkt deren Wirkung. Pausen zeigen Sicherheit — wer keine Pause aushält, signalisiert Unsicherheit.

Technische Vorbereitung unterschätzen

Ein häufig übersehener Aspekt der Präsentationsvorbereitung ist die technische Dimension: Funktioniert die Präsentation auf dem Gerät im Präsentationsraum? Sind Fonts korrekt eingebettet? Gibt es Animationen, die auf einem anderen System anders dargestellt werden?

Planen Sie immer einen technischen Puffer von mindestens 15 Minuten vor der Präsentation ein. Eine scheinbar banale technische Panne kann den psychologischen Fokus erheblich stören und die Qualität der Präsentation beeinträchtigen.

Transferimpuls — Kommunikation als Führungsaufgabe

Die Fähigkeit, komplexe technische Inhalte verständlich zu kommunizieren, ist nicht nur für Präsentationen wichtig — sie ist eine Führungsaufgabe. Wer in Organisationen KI-Projekte vorantreiben möchte, muss verschiedene Stakeholder überzeugen, informieren und einbinden.

Diese Kommunikationsaufgabe beginnt nicht mit der Präsentation des fertigen Projekts, sondern mit der ersten Projektidee: Warum ist dieser Use Case relevant? Wer profitiert davon? Was sind die Risiken? Diese Fragen müssen klar und überzeugend beantwortet werden, um überhaupt Ressourcen und Unterstützung zu gewinnen.

Investieren Sie deshalb nicht nur in technische KI-Kompetenz, sondern auch in Kommunikations- und Überzeugungskompetenz. Diese Kombination — technisches Verständnis plus Kommunikationsstärke — ist in vielen Organisationen selten und deshalb besonders wertvoll.

Merksatz

Technische KI-Kompetenz ohne Kommunikationskompetenz bleibt oft ungenutzt. Die Fähigkeit, Ideen und Ergebnisse überzeugend zu vermitteln, ist der Multiplikator für jede fachliche Kompetenz.

Übung 3 — Visualisierung der eigenen KI-Lösung

Übung 3 — Kernvisualisierung für die Präsentation erstellen

Aufgabe: Erstellen Sie für Ihre Projektpräsentation zwei Kernvisualisierungen: ein Vorher-Nachher-Prozessdiagramm (Typ 1) und eine KPI-Vergleichstabelle (Typ 3) aus dem Lerntext.

Material: Laptop mit PowerPoint, draw.io oder Miro; eigene Projektarbeitsdaten

Schritt-für-Schritt: 1. Prozessdiagramm (Typ 1): Zeichnen Sie den Ist-Prozess in drei bis fünf Schritten. Markieren Sie, welcher Schritt durch KI unterstützt oder ersetzt wird. Zeichnen Sie den Soll-Prozess in drei bis fünf Schritten. Unterschied deutlich machen: Welcher Schritt entfällt, welcher wird beschleunigt? 2. KPI-Tabelle (Typ 3): Erstellen Sie eine zweispaltige Tabelle: „Heute” vs. „Mit KI”. Tragen Sie drei bis vier KPIs ein (Zeit, Fehlerrate, Kapazität, Kosten). Quantifizieren Sie alle Werte — auch als Schätzungen. 3. Zeigen Sie beide Visualisierungen einer Partnerperson: Was versteht diese Person ohne Erklärung sofort? 4. Überarbeiten Sie eine Visualisierung basierend auf dem Feedback.

Erwartetes Ergebnis: Zwei produktionsreife Visualisierungen für Folie 3 (Use-Case-Analyse) und Folie 7 (KPIs) der Präsentation.

Musterlösung:

Prozessdiagramm (vereinfacht): Ist-Prozess: Anfrage eingeht → Manuelles Lesen (2 Min) → Kategorisierung (3 Min) → Priorisierung (2 Min) → Zuweisung. Soll-Prozess: Anfrage eingeht → KI-Klassifizierung (<10 Sek) → Human-Review (30 Sek) → Zuweisung. Zeitersparnis: 6,5 Min je Ticket sichtbar als Pfeil mit „−87 %“.

Vertiefung — Die Kolloquiumsvorbereitung als Tiefenverständnis-Test

Das Kolloquium ist keine Prüfung des Auswendiglernens — es ist ein Test des Tiefenverständnisses. Wer seine Projektarbeit wirklich durchdacht hat, kann über sie sprechen, ohne in Notizen zu schauen. Wer sie nur dokumentiert hat, gerät bei Rückfragen ins Stocken.

Drei Arten von Kolloquiumsfragen, die besonders häufig überraschen:

Der hypothetische Extremfall: „Was würde passieren, wenn alle 500 Mitarbeitenden Ihrer Organisation das System gleichzeitig nutzen würden?” Diese Frage testet, ob Sie über die Grenzen des Prototyps hinaus gedacht haben: Skalierbarkeit, API-Limits, Kostenanstieg bei wachsendem Volumen.

Die Umkehrfrage: „Warum sollten wir dieses System nicht einführen?” Diese Frage testet, ob Sie Ihrem Use-Case kritisch gegenüberstehen können. Eine gute Antwort: „Es gibt drei Argumente dagegen: [A, B, C]. Meine Einschätzung ist, dass die Vorteile überwiegen, weil [X].”

Die Kontext-Transferfrage: „Ihr Use-Case ist im IT-Kontext entwickelt — wie würde er in einer Pflegeeinrichtung aussehen?” Diese Frage testet Transferfähigkeit: Können Sie die Kernlogik Ihres Use-Cases von seinem spezifischen Kontext lösen?

Zur Vorbereitung: Schreiben Sie selbst fünf solcher Fragen — und beantworten Sie sie. Wer die härtesten Fragen selbst formulieren kann, ist für das Kolloquium gut vorbereitet.

Merksatz

Das beste Kolloquium-Training ist, die eigene Projektarbeit einer Person zu erklären, die das Thema nicht kennt — und dabei alle Rückfragen zu beantworten. Wenn diese Person nach 15 Minuten das Projekt verstanden hat, sind Sie bereit für das Kolloquium.

Reflexionsfragen — Vertieft

Wenn Sie drei Minuten hätten, den Nutzen Ihres Projekts der Geschäftsführung zu erklären — welche drei Zahlen würden Sie nennen?

Was ist die eine Folie in Ihrer Präsentation, bei der Sie sich noch unsicher fühlen — und was ist Ihr konkreter Verbesserungsplan?

Wie würden Sie die Frage beantworten: „Ihr System könnte doch Fehler machen — warum sollten wir ihm vertrauen?”

Beschreiben Sie den härtesten Einwand, den ein skeptischer Prüfer gegen Ihr Projekt vorbringen könnte — und Ihre Antwort darauf.

Was hat die Präsentationsübung in UE 113 für Sie persönlich verändert — in Bezug auf Ihre Fähigkeit, über KI zu sprechen?

Quelle: KI-Wissensbasis von MindsMachines, Edition Juni 2026. Vollständige Fassung mit Anhängen und Musterlösungen: als PDF anfordern.

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Nächster Schritt

Vom Selbststudium zur Schulung im Team.

Diese Einheit stammt aus unserer Wissensbasis mit 120 Unterrichtseinheiten. Als KI-Schulung vermitteln wir die Inhalte praxisnah an Ihren eigenen Use Cases, EU-AI-Act-konform dokumentiert.

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