Lernziele
Sie können einen einfachen Power-Automate-Cloud-Flow mit mindestens einem KI-Baustein (AI Builder oder Copilot-Aktion) von Grund auf anlegen.
Sie sind in der Lage, den Unterschied zwischen Cloud-Flows und Desktop-Flows zu erklären und für einen gegebenen Prozess den richtigen Flow-Typ zu wählen.
Sie können das Least-Privilege-Prinzip auf Power-Automate-Flows anwenden und erklären, warum persönliche Accounts für Automatisierungen ungeeignet sind.
Sie sind in der Lage, Power Automate von M365 Copilot abzugrenzen und zu beschreiben, wie beide Werkzeuge sich gegenseitig ergänzen.
Sie können den AI Builder und seine vortrainierten Modelle (Formularerkennung, Textklassifikation, Stimmungsanalyse) korrekt beschreiben und einem geeigneten Anwendungsfall zuordnen.
Sie verstehen die Governance-Anforderungen für Power-Automate-Flows und können eine grundlegende Freigaberichtlinie für Ihre Organisation formulieren.
Auf einen Blick
| Dauer | 45 Min |
| Methodik | Input + Schritt-für-Schritt-Lab |
| Vorwissen | UE 73 (No-Code-Grundkonzepte), Microsoft-365-Grundkenntnisse |
| AI-Act-Kompetenz | Anwendungskompetenz / Risiko-Bewusstsein |
| Querverweise | UE 73 (No-Code-Vergleich), UE 79 (Orchestrierung), UE 81 (Human-in-the-Loop), UE 82 (Monitoring) |
Worum geht es? — Der didaktische Einstieg
Für viele Organisationen ist Microsoft 365 die zentrale digitale Infrastruktur: Outlook für E-Mail, Teams für Kommunikation, SharePoint für Dokumente, Planner für Aufgaben. Diese enge Integration bietet einen entscheidenden Vorteil: Power Automate, Microsofts Automatisierungsplattform, ist bereits lizenziert und tief in alle diese Dienste eingebettet.
Sie müssen keine Drittanbieter-Lösung kaufen, keine neue API-Anbindung einrichten und keine Datenschutzprüfung für einen externen Dienst durchführen. Power Automate ist einfach da — und wartet darauf, genutzt zu werden.
Seit 2024 hat Microsoft Power Automate mit leistungsstarken KI-Bausteinen ausgestattet: Flows können aus natürlichsprachiger Beschreibung generiert werden, AI Builder extrahiert automatisch Daten aus eingehenden Dokumenten, und Copilot-Aktionen erlauben das direkte Auslösen von Flows aus dem Teams-Chat heraus. Diese UE zeigt Ihnen, wie Sie diese Bausteine praktisch einsetzen — anhand eines konkreten Szenarios, das Sie Schritt für Schritt selbst aufbauen.
Lerntext — Theorie und Konzepte
Power Automate im Microsoft-365-Ökosystem
Microsoft Power Automate ist ein cloudbasierter Automatisierungsdienst, der als Teil der Microsoft Power Platform (zusammen mit Power Apps, Power BI und Power Virtual Agents) ausgeliefert wird. Für Organisationen mit Microsoft-365-Lizenzen ist eine Grundversion von Power Automate bereits im Lizenzpaket enthalten.
Der entscheidende Unterschied zu Zapier und Make: Power Automate verfügt über native Konnektoren zu allen Microsoft-365-Diensten ohne Zusatzkonfiguration. Outlook-Trigger, SharePoint-Aktionen, Teams-Benachrichtigungen, Planner-Aufgaben — alle diese Verbindungen sind authentifiziert und sofort verfügbar.
Darüber hinaus bietet Power Automate über 1.000 Konnektoren zu Drittanbietern (Salesforce, ServiceNow, SAP, GitHub, Slack und viele weitere), sodass auch hybride Automatisierungen zwischen Microsoft- und Nicht-Microsoft-Systemen möglich sind.
Cloud-Flows vs. Desktop-Flows
Power Automate kennt zwei grundlegend verschiedene Flow-Typen:
Cloud-Flows automatisieren cloud-basierte Dienste über deren APIs. Sie laufen serverlos auf Microsoft-Infrastruktur, ohne dass ein lokaler Computer geöffnet sein muss. Drei Untertypen: automatisierte Flows (ereignisgetriggert), geplante Flows (zeitbasiert), sofortige Flows (manuell ausgelöst oder von Copilot getriggert).
Desktop-Flows (früher: RPA — Robotic Process Automation) automatisieren Desktop-Anwendungen, die keine API anbieten. Der Flow-Recorder zeichnet Mausklicks und Tastatureingaben auf und spielt sie automatisiert wieder ab. Relevanz: Legacy-Systeme, lokale Software ohne Cloud-Schnittstelle.
Für die meisten modernen Organisationsprozesse sind Cloud-Flows die richtige Wahl — Desktop-Flows kommen nur bei Altsystemen zum Einsatz.
Merksatz
Power Automate ist für Microsoft-365-Nutzer der pragmatischste Einstieg in die KI-gestützte Prozessautomatisierung, weil keine zusätzliche Datenschutzprüfung für externe Dienste erforderlich ist. Die Daten bleiben im Microsoft-Tenant — DSGVO-konform im EU-Rechenzentrum.

Abb. 74.1 — Power-Automate-Flow mit AI-Builder-Baustein: Eingehende Angebots-E-Mail wird automatisch verarbeitet
KI-Bausteine in Power Automate
Microsoft hat Power Automate seit 2023/2024 konsequent mit KI-Funktionen ausgestattet. Die wichtigsten Bausteine:
AI Builder ist Microsofts No-Code-KI-Modul für Power Automate. Es bietet vortrainierte Modelle, die ohne Data-Science-Kenntnisse in Flows eingesetzt werden können: - Formularerkennung: Extrahiert strukturierte Daten aus PDFs und Bildern (Rechnungen, Formulare, Ausweise). - Textklassifikation: Kategorisiert eingehende Texte (z. B. Support-E-Mails) nach vordefinierten Klassen. Trainierbar mit eigenen Beispielen. - Stimmungsanalyse: Wertet die emotionale Tendenz eines Textes aus (positiv/negativ/neutral). - Sprach-zu-Text: Transkribiert Audiodateien direkt im Flow. - Visitenkartenerkennung: Extrahiert Kontaktdaten aus Visitenkartenfotografien.
Copilot in Power Automate: Seit 2024 können Flows per natürlichsprachiger Beschreibung generiert werden. Sie beschreiben in einem Textfeld, was der Flow tun soll — der Copilot generiert einen Entwurf, den Sie visuell überprüfen und anpassen.
Copilot-Aktionen: Flows können aus dem Teams-Copilot-Chat heraus manuell ausgelöst werden.
Governance-Aspekt: Least-Privilege für Flows
Power-Automate-Flows laufen mit den Berechtigungen des Accounts, der den Flow erstellt hat oder unter dem er ausgeführt wird. Häufiger Fehler: Flows laufen unter dem persönlichen Account einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters. Wenn diese Person die Organisation verlässt, werden die Flows deaktiviert. Schlimmer: Der Flow hat alle persönlichen Zugriffsrechte — auch auf Daten, die für die Automatisierung gar nicht notwendig sind.
Best Practice: Flows sollten unter dedizierten Service-Accounts mit minimalen Berechtigungen laufen. Dies entspricht dem Least-Privilege-Prinzip, das auch für KI-Agenten (UE 81) zentral ist.
Merksatz
Ein guter Power-Automate-Flow läuft unter einem Service-Account, hat Fehlerbehandlung, wurde mit echten Testdaten getestet und ist dokumentiert. Jedes dieser vier Kriterien ist keine optionale Ergänzung — es ist der Standard für professionellen Einsatz.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Erster Flow mit AI Builder
Für den praktischen Einstieg in Power Automate mit KI-Baustein:
Schritt 1 — Umgebung wählen: Melden Sie sich bei make.powerautomate.com an. Die Testumgebung ist identisch mit der Produktionsumgebung.
Schritt 2 — Trigger konfigurieren: „Wenn eine neue E-Mail eingeht (V3)” aus dem Outlook-Konnektor. Wichtig: Immer einen Filter hinzufügen (Betreff enthält „Anfrage”), damit der Flow nicht bei jeder E-Mail auslöst.
Schritt 3 — AI Builder-Aktion hinzufügen: „Schlüsselphrasen aus Text extrahieren” aus dem AI-Builder-Konnektor. Input: triggerOutputs()?['body/body'] (der E-Mail-Textkörper).
Schritt 4 — SharePoint-Eintrag erstellen: „Element erstellen” in einer vorbereiteten Liste. Feldzuweisung: Titel → E-Mail-Betreff, Absender → E-Mail-Absender, Schlüsselphrasen → AI-Builder-Output, Eingangsdatum → utcNow().
Schritt 5 — Teams-Benachrichtigung: „Nachricht in einem Kanal posten” mit zusammengesetztem Text.
Schritt 6 — Testlauf: Senden Sie eine Test-E-Mail. Prüfen Sie nach maximal zwei Minuten den SharePoint-Listeneintrag und die Teams-Nachricht.
Integration mit Microsoft Copilot Studio
Copilot Studio ist Microsofts visueller Agent-Builder — die Microsoft-Alternative zu Custom GPTs. Agenten werden ohne Code per Drag-and-Drop konfiguriert und können direkt in Teams, SharePoint oder als eigenständige Web-App bereitgestellt werden.
Integration mit Power Automate: Copilot Studio-Agenten können Power-Automate-Flows als Aktionen aufrufen. Diese Kombination — Copilot Studio als intelligenter Frontend-Agent + Power Automate als robuste Ausführungsschicht — ist für Microsoft-365-Umgebungen das empfohlene Architekturmuster.
Governance-Richtlinie: Wer darf Flows erstellen?
Power Automate erlaubt grundsätzlich jedem M365-Nutzer, Flows zu erstellen — auch solche, die sensible Daten verarbeiten. Empfehlenswert ist eine klare Richtlinie:
| Kategorie | Wer darf erstellen? | Genehmigung |
| Persönliche Produktivitäts-Flows | Jeder Mitarbeitende | Kein Prozess |
| Geteilte Team-Flows | Teamlead + IT-Freigabe | Kurz-Review |
| Unternehmensweite Flows | IT/DevOps-Team | Formaler Prozess |
| Flows mit externen Konnektoren | IT/DevOps-Team | Datenschutzprüfung Pflicht |
Diese Kategorisierung verhindert, dass unkontrollierte Flows mit unbeabsichtigten Datenabflüssen entstehen.
Vertiefung — Laufzeitkosten und Trigger-Optimierung
Jede Flow-Ausführung verbraucht Power-Platform-Ressourcen. Im M365-Standardlizenzumfang sind begrenzte Flow-Läufe inklusive; darüber entstehen Mehrkosten. Eine einfache Kalkulation:
15 Anfragen/Tag × 22 Arbeitstage = 330 Flow-Ausführungen/Monat → im Standardkontingent enthalten
Bei zu weitem Trigger (jede E-Mail, nicht nur Anfrage-E-Mails): 5.000+ Ausführungen/Monat → Kostenfalle
Empfehlung: Trigger immer so eng wie möglich konfigurieren — nicht nur für Kosten, sondern auch für Datenqualität und Datenschutz. Gutes Flow-Design ist deshalb auch wirtschaftliches Design.
Branchen-Anwendungen
IT-Dienstleistung & Beratung
In einem IT-Beratungshaus gehen täglich Kundenanfragen per E-Mail ein, die manuell gelesen, kategorisiert, in SharePoint abgelegt und dem zuständigen Berater zugeteilt werden. Mit Power Automate und AI Builder lässt sich dieser Prozess vollständig automatisieren: Trigger = E-Mail mit Betreff „Anfrage” oder „Angebot” → AI Builder extrahiert Kundenname, Anfragetyp, Wunschtermin, Priorität → SharePoint-Eintrag in „Kundenanfragen”-Liste → Teams-Nachricht mit Zusammenfassung an zuständigen Berater → Planner-Aufgabe „Review und Antwort” mit 24h-Fälligkeitsdatum. Zeitersparnis: 5–8 Minuten pro Anfrage. Bei 10–15 Anfragen täglich entspricht das bis zu 2 Stunden pro Tag, die für wertschöpfende Beratungsarbeit genutzt werden können.
Industrie & Fertigung
In einem Fertigungsunternehmen wird der Wartungsauftragsprozess durch Power Automate digitalisiert. Wenn ein Maschinenführer per Microsoft Forms eine Störungsmeldung einreicht, verarbeitet ein Power-Automate-Flow diese automatisch: AI Builder klassifiziert die Störung nach Anlagentyp und Dringlichkeit, erstellt einen Wartungsauftrag im ERP-System und benachrichtigt den zuständigen Techniker per Teams-Nachricht inkl. Standort und Fehlerbeschreibung. Priorität „kritisch” löst zusätzlich eine SMS-Benachrichtigung an den Schichtleiter aus. Da alle Daten ausschließlich im Microsoft-Tenant verbleiben, erfüllt der Prozess die Anforderungen an die Produktionsdatensicherheit.
Finanzdienstleistung & Versicherung
Eine Bank automatisiert die Verarbeitung eingehender SEPA-Überweisungsanfragen per Power Automate. Eingehende Formulare aus dem Kundenportal werden per AI Builder Formularerkennung verarbeitet, die relevanten Felder (IBAN, Betrag, Verwendungszweck, Auftraggeberdaten) extrahiert und auf Vollständigkeit geprüft. Vollständige Anträge werden direkt in das Kernbankensystem übertragen. Unvollständige Anträge erhalten eine automatische Nachfrage-E-Mail an den Kunden mit spezifischer Angabe der fehlenden Felder. Compliance-Anforderung: Jeder Verarbeitungsschritt wird mit Zeitstempel in einem unveränderlichen Audit-Log in SharePoint gespeichert.
Öffentliche Verwaltung
Eine Kommunalverwaltung nutzt Power Automate für die Verarbeitung von Bürgerdienstanfragen. Über ein Microsoft-Forms-Formular auf dem Bürgerportal können Bürgerinnen und Bürger Anträge digital einreichen. Power Automate nimmt den Antrag entgegen, prüft per AI Builder Textklassifikation die Zuständigkeit (Einwohnermeldeamt, Bauordnung, Sozialamt etc.), leitet ihn an die korrekte Abteilung weiter, erstellt einen Vorgangsdatensatz im Verwaltungssystem und sendet dem Bürger eine Eingangsbestätigung mit Vorgangsnummer und erwarteter Bearbeitungszeit. Datenschutz: Die gesamte Verarbeitung findet im Microsoft-Government-Cloud-Tenant statt, der die Anforderungen des BSI-IT-Grundschutzes erfüllt.
Übung 1 — Erster Power-Automate-Flow mit AI-Baustein
Aufgabe: Sie bauen gemeinsam mit dem Trainer einen vollständigen Power-Automate-Flow, der eingehende E-Mails mit dem Betreff „Anfrage” verarbeitet, per AI Builder Schlüsseldaten extrahiert und einen SharePoint-Eintrag sowie eine Teams-Benachrichtigung erstellt.
Material: Zugang zur Power-Automate-Testumgebung (M365-Testmandant), Beispiel-E-Mail mit Anfragetext (wird bereitgestellt).
Schritt-für-Schritt: 1. Öffnen Sie make.powerautomate.com und melden Sie sich mit dem Schulungskonto an. 2. Klicken Sie auf „Erstellen” → „Automatisierter Cloud-Flow”. 3. Benennen Sie den Flow: „Kunden-E-Mail-Verarbeitung”. 4. Wählen Sie als Trigger „Wenn eine neue E-Mail eingeht (V3)” aus dem Outlook-Konnektor. 5. Konfigurieren Sie den Filter: Betreffzeile enthält „Anfrage”. 6. Fügen Sie einen AI-Builder-Schritt hinzu: „Schlüsselphrasen aus Text extrahieren”. Input: E-Mail-Textkörper. 7. Fügen Sie einen SharePoint-Schritt hinzu: „Element erstellen” in der Liste „Kundenanfragen”. Mappen Sie: Titel → E-Mail-Betreff, Absender → E-Mail-Absender, Schlüsselphrasen → Beschreibungsfeld. 8. Fügen Sie einen Teams-Schritt hinzu: „Nachricht in einem Kanal posten”. Channel: „Vertrieb”. Nachricht: Zusammenfassung aus E-Mail-Betreff + Schlüsselphrasen. 9. Speichern Sie den Flow und führen Sie einen Testlauf durch. 10. Überprüfen Sie: Wurde der SharePoint-Eintrag erstellt? Ist die Teams-Nachricht angekommen?
Erwartetes Ergebnis: Ein funktionierender Flow mit Trigger, AI-Baustein, SharePoint-Schreibaktion und Teams-Benachrichtigung, der im Testlauf korrekt ausgeführt wird.
Musterlösung:
Flow-Name: Kunden-E-Mail-Verarbeitung
Trigger: Outlook – Wenn neue E-Mail eingeht (V3)
Filter: Betreff enthält "Anfrage"
Schritt 1: AI Builder – Schlüsselphrasen extrahieren
Input: triggerOutputs()?['body/body']
Output: Schlüsselphrasen-Liste
Schritt 2: SharePoint – Element erstellen
Liste: Kundenanfragen
Titel: triggerOutputs()?['body/subject']
Absender: triggerOutputs()?['body/from']
Schlüsselphrasen: join(outputs('Schlüsselphrasen'), ', ')
Erstellt am: utcNow()
Schritt 3: Teams – Nachricht posten
Team: Vertrieb
Channel: Allgemein
Nachricht: "Neue Kundenanfrage von " + Absender + ": " + Betreff
Fehlerbehandlung im Flow: Power Automate bietet für jeden Schritt eine „Run after”-Konfiguration. Wenn der SharePoint-Schritt fehlschlägt, soll eine E-Mail an die Systemadministration gesendet werden — damit der Fehler nicht unbemerkt bleibt.
Governance-Check vor Produktivbetrieb: Unter welchem Account läuft der Flow? Welche Berechtigungen hat dieser Account? Können nicht benötigte Berechtigungen entfernt werden?
Übung 2 — Copilot-generierter Flow und Governance-Check
Aufgabe: Sie nutzen den Power-Automate-Copiloten, um einen neuen Flow per natürlichsprachiger Beschreibung zu generieren, überprüfen den generierten Entwurf kritisch und ergänzen einen Governance-Check (Least-Privilege-Analyse).
Material: Power-Automate-Testumgebung.
Schritt-für-Schritt: 1. Öffnen Sie Power Automate und klicken Sie auf „Erstellen” → „Copilot beschreiben, was Ihr Flow tun soll”. 2. Geben Sie ein: „Wenn eine neue Planner-Aufgabe mit Priorität ‘Hoch’ erstellt wird, sende eine Teams-Nachricht an den zuständigen Mitarbeiter und erstelle eine Erinnerungs-E-Mail für den Fälligkeitstag.” 3. Überprüfen Sie den generierten Flow-Entwurf: Stimmt die Logik? Welche Schritte hat Copilot generiert? 4. Identifizieren Sie mindestens zwei Felder, die Sie anpassen müssen. 5. Führen Sie den Governance-Check durch: Unter welchem Account läuft dieser Flow? Welche Berechtigungen hat dieser Account? Welche braucht er tatsächlich? 6. Dokumentieren Sie: Welche Berechtigungen könnten entfernt werden, ohne dass der Flow aufhört zu funktionieren?
Erwartetes Ergebnis: Ein überprüfter, angepasster Flow-Entwurf sowie eine schriftliche Least-Privilege-Analyse mit mindestens drei identifizierbaren Berechtigungsreduzierungen.
Musterlösung:
Typische Copilot-generierte Schritte: Trigger = Planner-Aufgabe erstellt (Priorität = Hoch) → Teams-Nachricht an Zugewiesenen → Outlook-E-Mail mit Erinnerung am Fälligkeitsdatum.
Governance-Check-Ergebnis: - Benötigte Berechtigungen: Planner lesen, Teams-Nachrichten senden, Outlook-E-Mails senden - Überflüssige Berechtigungen (falls persönlicher Account): SharePoint-Vollzugriff, Kalender-Vollzugriff, alle anderen Apps - Empfehlung: Service-Account mit Planner-Lese-, Teams-Post- und Outlook-Send-Berechtigung — keine weiteren Rechte
Wichtige Erkenntnis: KI-generierte Flows erzeugen eine Illusion von Vollständigkeit, die kritisches Nachdenken hemmt. Der Copilot-Flow sieht fertig aus — aber er ist nur ein Entwurf. Professionelle Nutzung bedeutet: Entwurf nehmen, systematisch prüfen (Logik, Governance, Fehlerbehandlung), dann in Betrieb nehmen.
Cheatsheet — Die wichtigsten Punkte
Cloud-Flow: Läuft serverlos, kein lokaler PC erforderlich
Desktop-Flow: Nur für Legacy-Systeme ohne API
AI Builder: Vortrainierte KI-Modelle ohne Data-Science-Kenntnisse
Formularerkennung: Strukturierte Daten aus PDFs und Bildern extrahieren
Textklassifikation: Eingehende Texte nach vordefinierten Klassen sortieren
Copilot in Power Automate: Flow per natürlichsprachiger Beschreibung generieren — immer kritisch prüfen
Least Privilege: Flows unter Service-Accounts mit Minimalberechtigungen
Kein persönlicher Account: Flow-Abhängigkeit von Personenkonten vermeiden
Testlauf vor Produktivbetrieb: Jeder Flow muss mit echten Testdaten validiert werden
Trigger-Optimierung: Enge Trigger-Bedingungen reduzieren Kosten und verbessern Datenschutz
Reflexionsfragen
Welche drei Prozesse in Ihrem Arbeitsbereich könnten Sie heute noch mit Power Automate automatisieren — ohne einen einzigen Schritt zu programmieren?
Was ist das Risiko, wenn ein Automatisierungsflow unter Ihrem persönlichen Account läuft und Sie die Organisation verlassen?
Wie verhält sich Power Automate zu den in UE 73 gelernten Plattformen Zapier und Make — wann würden Sie trotz vorhandener M365-Lizenz eine der Alternativen bevorzugen?
Welche Datenschutzfragen müssen Sie klären, bevor Sie den AI-Builder-Baustein für die Verarbeitung von Kundendaten einsetzen?
Quellen & Weiterlesen
| Quelle | Typ | URL |
| Microsoft Power Automate – Offizielle Dokumentation | Hersteller-Dokumentation | https://docs.microsoft.com/power-automate |
| Microsoft AI Builder – Übersicht der vortrainierten Modelle | Hersteller-Dokumentation | https://learn.microsoft.com/ai-builder |
| Microsoft Power Automate – Community und Vorlagenbasierung | Hersteller-Dokumentation | https://make.powerautomate.com/templates |
| EU AI Act Art. 26 – Pflichten von Deployer-Unternehmen | Primärrecht | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1689 |
| Microsoft Copilot Studio – Schnelleinstieg | Hersteller-Dokumentation | https://learn.microsoft.com/microsoft-copilot-studio |
| BSI – IT-Grundschutz und Cloud-Nutzung | Behördeninfo | https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/IT-Grundschutz/it-grundschutz_node.html |
Hinweise für AI Champions — So vermitteln Sie das Thema — UE 74
Timing (45 Min): 5 Min Einstieg (Frage: „Wer nutzt bereits Microsoft 365 täglich?“), 10 Min Input Power Automate + AI Builder + Cloud vs. Desktop, 15 Min gemeinsam Flow bauen (Schritt für Schritt auf Beamer), 10 Min Übung 2 (Copilot-Flow + Governance-Check), 3 Min Reflexionsfrage, 2 Min Puffer.
Methodische Empfehlung: Diese UE ist besonders effektiv als Live-Lab. Ideal ist, wenn alle Teilnehmenden gleichzeitig an eigenen Geräten mitarbeiten können (Schulungsmandant bereitstellen). Alternativ: Beamer-gesteuertes Demo, Teilnehmende protokollieren die Schritte und führen in der Nachbereitung selbst durch.
Häufige Stolpersteine: (a) Authentifizierungsprobleme mit Schulungskonten — vorab testen. (b) AI Builder-Schritt fehlschlägt bei zu kurzem E-Mail-Text — Testmail mit mindestens 100 Zeichen Textkörper verwenden. (c) Teilnehmende vertrauen dem Copilot-generierten Flow ohne Review — explizit betonen: Copilot-Output ist immer ein Entwurf, nie ein Endprodukt.
Diskussionsfragen für Plenum: (1) „Was ist der Unterschied zwischen einem Flow, der unter Ihrem Account läuft, und einem unter einem Service-Account — warum ist das wichtig?” (2) „Welchen Prozess in Ihrer Abteilung würden Sie als erstes automatisieren?”
Tafelbild-Vorschlag: Vier-Felder-Tabelle: Cloud-Flow | Desktop-Flow | AI Builder | Copilot — mit je zwei Beispielanwendungen, live mit Teilnehmenden erarbeitet.
Differenzierung Power-User ↔ Einsteiger: - Einsteiger: Flow aus Vorlage anpassen und testen. - Power-User: Fehlerbehandlung mit „Run after”-Konfiguration einbauen, HTTP-Konnektor zu externer API konfigurieren.
Tipp zur Branchenauswahl: Für IT-Beratungsgruppen: Szenario „Kunden-E-Mail-Verarbeitung” ist sehr nah an der Realität. Für Verwaltungsgruppen: Szenario „Bürgerantrag digital verarbeiten” bietet einen direkten Praxisbezug. Für Industrie: Szenario „Störungsmeldung digitalisieren” passt gut.
Übergang zur nächsten UE: „In UE 74 haben Sie mit Power Automate die Microsoft-Welt erschlossen. In UE 75 steigen wir konzeptionell höher: Was unterscheidet eigentlich einen echten KI-Agenten von dem, was wir bisher gebaut haben — und wann brauche ich welches Werkzeug?”
Quelle: KI-Wissensbasis von MindsMachines, Edition Juni 2026. Vollständige Fassung mit Anhängen und Musterlösungen: als PDF anfordern.
Zurück zur Modul-Übersicht